Berlin : Künstler, Gräber und Geschichten

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Von wegen – letzte Ruhe! Auf dem Schöneberger Künstlerfriedhof an der Stubenrauchstraße drängeln sich oft die Menschen vor Gräbern, machen Notizen, fotografieren und erzählen sich die Lebensgeschichte der Toten. Marlene Dietrich liegt hier seit dem 16. Mai 1992, StarFotograf Helmut Newton wird am 2. Juni dieses Jahres in ihrer Nähe beigesetzt, doch auch viele weitere Schauspieler, Literaten, Musiker, Maler und andere Kunstbeflissene hat man an diesem Platz in den vergangenen 120 Jahren zu Grabe getragen. Zahlreiche Inschriften lesen sich wie ein „Who is who“ der Berliner Kunstszene. Die Zeit ist reif für einen Führer zu den einzelnen Gräbern.

Helmuth Pohren-Hartmann von der „Interessengemeinschaft Historische Friedhöfe“ hat dieses Büchlein jetzt geschrieben. Er erzählt die Geschichte der 1881 angelegten Totengedenkstätte, die offiziell „Städtischer Friedhof Schöneberg III“ heißt. Drum herum in Friedenau lebten vor allem bis in die frühen 30er Jahre außergewöhnlich viele Künstler, Wissenschaftler, Politiker und andere berühmte Berliner, weil sie die großzügigen Gebäude der Gegend im Landhausstil schätzten. Friedenau war in ihren Kreisen so beliebt wie heute Prenzlauer Berg – folglich wurden viele Künstler dort begraben.

Der Band stellt 47 interessante Gräber im Bild vor und erzählt kurz die Lebensgeschichten. Zum Beispiel des 1924 gestorbenen weltberühmten Pianisten und Opernkomponisten Ferruccio Busoni, dessen Grab eine kleine Statue von Georg Kolbe schmückt. Oder das Schicksal der 1976 beerdigten expressionistischen Malerin Jeanne Mammen. Unter den Nazis bekam sie Berufsverbot. Fortan zog sie mit einem Leiterwagen durch Berlin, auf dem sie gebrauchte Bücher anbot.

Helmuth Pohren-Hartmann führt auch persönlich über den Künstlerfriedhof: An den Sonntagen, 23. Mai und 20. Juni, jeweils ab 14 Uhr. Treff: Eingang Stubenrauchstraße 43-45; Kosten: 7,50 p.P. CS

„Friedhof Schöneberg III“, Edition Luisenstadt, ISBN: 3-89542-139-1, 3 Euro.

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