Künstliche Befruchtung : Berlin fördert das Kinderkriegen – bei Verheirateten

Ab sofort erhalten Paare bei künstlicher Befruchtung finanzielle Unterstützung vom Land Berlin. Aber nur Verheiratete haben Anspruch auf die Hilfe.

Bartholomäus von Laffert
Ab sofort erhalten Paare bei künstlicher Befruchtung finanzielle Unterstützung..
Ab sofort erhalten Paare bei künstlicher Befruchtung finanzielle Unterstützung..Foto: picture alliance / dpa

Sechs Millionen Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Allein in Berlin wollen sich deshalb „jährlich schätzungsweise 6000 bis 7000 Menschen künstlich befruchten lassen“, sagt Heribert Kentenich von der Kinderwunschklinik im Westend. Hier war auch der Senator für Gesundheit und Soziales Mario Czaja - derzeit vor allem wegen der Debatte um Flüchtlinge im Fokus - am Dienstagmorgen zu Gast. Anlass des Besuchs war das Förderprogramm des Bundes zur assistierten Reproduktion, an dem auch Berlin seit Mittwoch teilnimmt. Ab sofort wird Berlin Paare, die ungewollt kinderlos sind, bei der künstlichen Befruchtung finanziell unter die Arme greifen.

Denn so eine Behandlung kostet: Sowohl bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der die Eizelle der Frau im Labor künstlich befruchtet wird, als auch bei der häufigeren Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI), der direkten Injektion eines einzelnen Spermium in die Eizelle, belaufen sich die Behandlungskosten auf etwa 3.900 Euro. Mit Medikamenten müssen Paare mit mehr als 4000 Euro rechnen. 50 Prozent der Kosten übernehmen in der Regel die Krankenkassen, den Rest mussten die Patienten in Berlin bislang selber stemmen.

1000 Euro müssen Paare selber zahlen

Seit Dienstag können Paare nun aber auf weitere Hilfe hoffen. Berlin schließt sich damit den Bundesländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an und beteiligt sich am Förderprogramm des Bundes. Seit April 2012 fördert der Bund das Kinderkriegen finanziell. Allerdings nur, wenn sich auch die zuständigen Länder daran beteiligen. Bislang wurde diese Geburtenförderung vor allem von den neuen Bundesländern unterstützt, da von dort bekanntlich die meisten Menschen abwandern.

Dass Berlin mit seiner positiven Geburtenrate und 350.000 Babys pro Jahr nachzieht, begründet Czaja wie folgt: „Wir wollen Paare unterstützen, deren Kinderwunsch sich bislang nicht erfüllt hat. Dies gilt gerade auch für Paare, die sich dies bislang nicht leisten konnten“.

Je 25 Prozent der Behandlungskosten nach Abzug des Krankenkassenbeitrags werden künftig von Bund und Berlin beigesteuert. Bei ungefähr 4000 Euro Behandlungskosten werden sich die Zuschüsse also folgendermaßen verteilen: 2000 Euro von der Krankenkasse + 500 Euro vom Bund + 500 Euro vom Land. 1000 Euro werden die Paare auch in Zukunft selbst beisteuern müssen.

Verheiratet ist Voraussetzung

Doch das großzügige Hilfsprogramm wird nur etwa 1400 Berlinern zugutekommen, rechnet das Lageso. Ein Bruchteil der ungewollt Kinderlosen in Berlin, denn die Zuschüsse sind an strikte Bedingungen geknüpft. Gefördert werden: Frauen zwischen 25 und 40 Jahren. Männer bis zu 50 Jahren.

„Das hat einfache medizinische Gründe: Die Chancen auf eine Schwangerschaft sind danach einfach zu gering“, begründet der Gynäkologe Kentenich. Die Paare müssen zudem verheiratet sein. „Das liegt an der Gesetzgebung des Bundes, die gerade diskutiert wird, nicht an uns in Berlin“, rechtfertigt Czaja.

Nur zweiter und dritter Versuch wird unterstützt

Außerdem werden nur der zweite und dritte Versuch der künstlichen Befruchtung unterstützt. Denn bei weitem nicht jede künstliche Befruchtung wird auch mit einem Baby belohnt: Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge führen nur 15 bis 20 Prozent der Behandlungszyklen, sowohl bei der IVF als auch bei der ICSI, zur Erfüllung des Kinderwunsches.

„Dass wir das so geregelt haben, war eine Abwägung des Senats. Wir mussten uns aufgrund der finanziellen Mittel entscheiden entweder nur den ersten Versuch zu fördern oder den zweiten und dritten. Da aber gerade dann die Verzweiflung und Enttäuschung größer ist, haben wir uns entschieden diesen Paaren zu helfen“, erklärte der Senator Czaja.

Im ersten Jahr wird der Senat 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

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