Berlin : Küsse bei Nena

Die Sängerin begeisterte am frühen Samstagmorgen beim Bundespresseball mit Rock und Romantik.

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Nenas „99 Luftballons“ mögen vielen Gästen des Bundespresseballs nach kurzem Schlaf am Samstagmorgen noch in den Ohren geklungen haben. Bis kurz vor halb zwei begeisterte das musikalische Fräuleinwunder der Neuen Deutschen Welle im Hotel Interconti mit alten und neuen Hits, wie „Wunder geschehen“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ und „Nur geträumt“. Zwei riesige Ballons schwebten über der Tanzfläche. Kurz vor Beginn ihrer Tournee, die sie am 11. Dezember noch einmal nach Berlin ins Tempodrom führen wird, drückte die vielseitige Sängerin bei der Forever-young-Generation auf dem Parkett die richtigen Knöpfe. Besonders bei der „Leuchtturm“- Zeile „Ich geh mit dir, wohin du willst“ müssen manche Erinnerungen geweckt worden sein, so verliebt wirkten die Blicke, die sich manche Tanzpartner zuwarfen.

Die Zeile „Liebe fragt nicht, Liebe ist“ passte hingegen perfekt zur Reaktion von Bundespräsident Christian Wulff und Frau Bettina, als sie den ersten Blick auf die Ballzeitung des Tagesspiegels warfen und dort nach einigem Blättern direkt auf dem Titel ein Kussbild von sich entdeckten. Bald erhob sich zwischen den beiden die Frage „Wer küsst hier eigentlich wen?“. So trug auch das vergleichsweise junge erste Paar des Landes dazu bei, dass der 60-jährige Ball kein bisschen wirkte wie eine Honoratiorenveranstaltung, sondern leicht, beschwingt und vergnügt. Einige junge Mitarbeiter dieser Zeitung fühlten sich nach getaner Arbeit wie Debütanten auf ihrem ersten großen Ball, bevor sie, gut trainiert im Multitasking, mithalfen, die Zeitung auch noch rasch unter den Ballgästen zu verteilen. Manche Gäste vertieften sich gleich darin, andere freuten sich auf die Nachbereitung des Balls als Wochenendlektüre.

Der frühe Morgen machte zunächst alle zu Flaneuren. Viel gelobt wurden die hellen Dekorationen und die luftigere Atmosphäre unter den 2500 Gästen, die sich gut über all die Räume im Erdgeschoss des Hotels verteilten. Geschätzt wird der Ball längst nicht nur als gesellschaftliches Ereignis der A-Kategorie, sondern auch als wunderbare Möglichkeit alte Bekannte zu treffen. „Alles in Bewegung“ lautete die Titelzeile der Ballzeitung, und die beschrieb nicht nur das Gewoge auf dem Parkett, sondern auch den Zustand von Politik und Medien in Zeiten der digitalen Revolution.

Da nun einmal vieles in Bewegung ist, hat sich dieser Ball als perfekt organisierte Konstante etabliert, wo Politiker und Journalisten einmal im Jahr ganz entspannt plaudern können, auch wenn sie im wirklichen Leben weder mit Glamour noch mit Harmonie allzu viel anfangen können. Beliebter Treffpunkt war das neue Dessertkarussell, das wie von einer Litfaßsäule inspiriert wirkte. Ein süßer Abend bewahrt dann vielleicht auch vor allzu sauren Tagen. Elisabeth Binder

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