Kultmarke : Ampelmann expandiert nach Amerika

Der ostdeutsche Ampelmann ist längst zum Kultobjekt avanciert. Jetzt will sein Vermarkter Amerika und Südkorea erobern, doch gleichzeitig entbrennt in Deutschland ein Streit um die Rechte an der Ampelfrau.

Berlin - "Wir sind die Ampelkinder. Und Papa ist der Ampelmanndirektor." Das kleine Mädchen in den Hackeschen Höfen platzt fast vor Stolz. Sie zeigt auf ihren Vater und dann auf eines der Schaufenster, das den ostdeutschen Ampelmann in unzähligen Versionen ausstellt. Theresa Heckhausen ist erst sechs Jahre alt. Aber dass das, was ihr Vater Markus Heckhausen (45) hier vermarktet, Bedeutung hat, weiß sie.

Aus Papas Ampelglas-Idee für Lampen von 1996 wurde inzwischen eine Goldgrube. 35 Mitarbeiter hat der schwäbische Designer heute, allein im ersten Halbjahr 2006 machte seine Berliner Ampelmann GmbH 1,3 Millionen Euro Umsatz. "Trotz enttäuschender WM. Unsere zwei Stände auf der Fanmeile sorgten für Aufmerksamkeit", sagt Heckhausen.

Nun richtet sich der Blick nach Amerika. Heckhausens Anwalt prüfte bereits Kosten und Rechtslage für Markensicherungen im US-Markt. Es folgen Anmeldungen. Auch Südkorea soll erobert werden. Eine Mitarbeiterin Heckhausens stammt von dort und stellt Kontakte her. In Japan ist der drollige "Grüne Mann der Roten", wie die "Financial Times Europe" schrieb" längst ein Maskottchen. Im Herbst will Heckhausen sein erstes deutsches Franchisegeschäft eröffnen. Dresden hat er dafür auserkoren, genauer das Quartier Frauenkirche am Neumarkt. Derzeit laufen die Mietverhandlungen.

Kampf um die Markenrechte an der Ampelfrau

Doch hinter den Kulissen avancierte der Ampelmann auch zum Dauerthema für Anwälte. Kürzlich erhielt Heckhausens Konkurrenz, die Berliner Firma Mondos Arts, eine Klageschrift von ihm. Gegenstand ist die Ampelfrau. Den in Friedrichshain ansässigen Souvenirhändlern wird die Verwendung des Motivs auf Tassen, T-Shirts, Textilien untersagt. "Absurd", findet das Mondos-Chef Jörg Davids. "Heckhausen meldete die Frau am 27. November 2004 als Marke an. Aber bereits drei Tage zuvor lenkte sie in Zwickau den Verkehr."

Die Materie ist kompliziert. Denn es gibt neben einer Marke noch Geschmacksmuster. "Das für die Ampelfrau sicherten wir uns bereits im Jahr 2000", sagt Heckhausen. Kreiert habe das Mädl Grafiker Hans-Jürgen Ellenberger aus Ludwigsburg im Jahr 1995. Wer Recht hat, muss nun geklärt werden.

"Rettet die Ampelmännchen"-Initative zerstritten

Der Streit läuft unter alten Bekannten. Denn einst agierten Jörg Davids und sein Kompagnon Uwe Hammerschmid gemeinsam mit Heckhausen. 1996 war man Teil der Spaßinitiative "Rettet die Ampelmännchen". Aber 1997 und 2000 ließ sich Mondos den Slogan schützen. "Herr Heckhausen klagte dagegen und verlor", sagt Davids.

Lieferant und Abnehmer für Mondos ist Ampelproduzent Joachim Roßberg (56). Der Sachse, einst ebenfalls Komitee-Mitglied, beansprucht für sich, die Ampelfrau bereits 1988 gezeichnet zu haben. 2004 hätte sein Sohn eine Version in Grün vorgelegt. Auch mit Roßberg zankt sich Heckhausen.

Prozessfortsetzung um Ampelmann

Gerade geht ein Markenrechtsstreit zum Ampelmann in die nächste Runde. Schauplatz ist das Oberlandesgericht (OLG) Dresden. Der Fall kommt vom Landgericht Leipzig. Dort war Roßberg am 16. Juni zur Überlassung einiger Markenrechte an Heckhausen verurteilt worden. Dagegen legte der Sachse Beschwerde ein. "Bis 21. September muss die Begründung erfolgen", sagte OLG-Sprecherin Katrin Haller. Zumindest bei einer strittigen Klasse, nämlich Metallwaren, will Heckhausen nun auf Roßberg zugehen. Alle Seiten sind müde.

Über allem Streit - und manchmal zwischen den Fronten - steht Verkehrspsychologe Karl Peglau (79). Der "Ampelmannvater" war auch Mitglied im Komitee und wurde bis 2005 wechselnd von Mondos beziehungsweise Roßberg entlohnt. Derzeit steht er bei Heckhausen unter Vertrag. Der agile Berliner hatte im Herbst 1961 erste Entwürfe des Ampelmännchens vorgelegt.

Der kleinen Theresa sind die endlosen Auseinandersetzungen egal. Sie freut sich auf ihre Einschulung am 26. August. Da gibt es, das weiß sie schon, eine Zuckertüte von Peglau - voller Ampelmänner. (tso/ddp)

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