Berlin : Kultur in Köpenick: Hauptmann-Zelle neben dem Zweimaster

Steffi Bey

Mit "bierseliger Hauptmann- Folklore" hat Alexander Heene nichts im Sinn. Trotzdem hat er sich die Köpenicker Altstadt, in der der Hauptmann von Köpenick allgegenwärtig ist, für sein Projekt ausgesucht. "Ich bin davon überzeugt, dass es sich gerade dort lohnt", sagt der 35-Jährige. Heene, im Bezirk als Veranstaltungsorganisator bekannt, will mehr Kultur auf die Insel zwischen Dahme und Spree bringen. Auf dem Gelände neben der Dammbrücke, an der Freiheit 15, wird er an diesem Freitag das Restaurantschiff "ars vivendi" eröffnen.

Im Frühjahr sollen die alte Schulturnhalle auf dem Gelände mit einem Theatersaal und einer Bar zur Verfügung stehen. Seit ungefähr vier Jahren wird das historische Gebäude saniert. Öffentliche und private Gelder flossen in den Umbau. 200 Leute werden in dem großen Saal ab 10. April Kabarett, Varieté aber auch Lesungen und Konzerte erleben können. "Wir haben unter anderem schon Tim Fischer und Veronika Fischer gebucht", kündigt der Köpenicker an. Auch das feste Ensemble, das in den letzten Monaten gegründet wurde, präsentiert zunächst einmal monatlich ein eigenes Stück. In der Cocktail-Bar, gleich neben dem großen Saal kommt auch die "reifere Jugend", wie Heene seine Altersgruppe bezeichnet, auf ihre Kosten. Eine Mischung aus Shows, Disco und Tanz wechseln sich dort ab. Bei schönem Wetter stehen zusätzlich 500 Plätze im neu gestalteten Hof zur Verfügung.

Für Heene, der sich mit diesem Projekt einen Traum erfüllt, biete die "Freiheit 15", demjenigen Raum, der sich einerseits zurückziehen und die Oase am Wasser genießen möchte, aber auch anderen, die "was erleben wollen". Auf dem holländischen Zweimaster erwartet die Gäste "mediterrane-asiatische" Küche statt Eisbein und Blasmusik. 110 Besucher können auf dem Schiff Platz nehmen: in zwei Sälen oder auf dem offenen Oberdeck. Im letzten halben Jahr wurde das über 100 Jahre alte Gefährt total umgebaut. Dunkle Holzverkleidungen und rote sowie beige Ledersitze vermitteln ein ansprechendes Ambiente. Heene will auf den schwankenden Planken auch Talkrunden anbieten. "Ein genaues Konzept gibt es allerdings noch nicht." Dafür sei man mit dem Bezirksamt im Gespräch, um auf dem 40 Meter langen Zweimaster auch Hochzeiten anbieten zu können.

So ganz kommt aber auch Alexander Heene nicht am Hauptmann von Köpenick vorbei. Schließlich steht unmittelbar neben dem neuen Kulturtreff das einstige Köpenicker Gefängnis. Es wird gerade zum Wirtschaftsgebäude für Theater und Bar umgebaut. Die Zelle, in der 1906 der Schuster Wilhelm Voigt inhaftiert war, der zuvor - als Hauptmann verkleidet - die Stadtkasse beschlagnahmt und den Bürgermeister verhaftet hatte, bleibt erhalten. Dort sollen ein Bett und eine "Hauptmannpuppe" aufgestellt werden.

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