Berlin : Kultur pur ohne Würstchenbuden

Marc-Oliver von Riegen

50 000 Besucher werden zur siebten "Langen Nacht" erwartet - Drei Milliarden Mark für Berliner Museen in den nächsten 10 JahrenMarc-Oliver von Riegen

Kulturbegeisterte Berliner können sich schon wieder auf eine lange Nacht freuen. Das neue Kulturjahr beginnt in Berlin am morgigen Freitag mit dem zweiwöchigen Festival "Schauplatz Museum". Der Höhepunkt der Reihe ist wie in den vergangenen Jahren die "Lange Nacht der Museen" am 29. Januar. Weil manche Wissenschaftler noch streiten, wann das neue Jahrtausend wirklich beginnt, haben die Veranstalter die Zeit des Übergangs zum Thema gemacht.

"Wir wollen Rituale unter die Lupe nehmen, die sich mit dem Übergang in Gesellschaft, Musik und Kunst beschäftigen", sagte Wolf Kühnelt, künstlerischer Leiter des Festivals. In mehr als sechzig Konzerten, Ausstellungen und Filmen geht es bis zum 30. Januar um Zeremonien und Verwandlungen. Das Festival startet morgen um 20 Uhr mit einer Feier im Pergamonmuseum. Kultursenatorin Christa Thoben eröffnet den "Schauplatz", und eine Ballett-Compagnie tanzt dazu.

Die Macher des Programms haben sich manch Ausgefallenes einfallen lassen, um den Besuchern die Rituale schmackhaft zu machen. So können die Berliner im Ethnologischen Museum am 15. Januar um 20 Uhr eine Zeremonie des afrikanischen Yoruba-Volkes miterleben. Mehrere Kinder der nigerianischen Volksgruppe, die in Berlin leben, sollen beim "Tanz des Egungun" zu Männern werden.

Ein ganz anderes Fest feiert die Archenhold-Sternwarte in Treptow am 20. Januar um Mitternacht: Nach einem Essen im Restaurant "Planet Hollywood" bringt ein Bus die Gäste zur Warte, um die Mondfinsternis bei einer Lesung mit Jenny Schily, der Tochter von Innenminister Otto Schily, zu genießen. Zur Krönung der Nacht lässt sich ein Pärchen aus Treptow dort trauen. "Der Bräutigam hat sich schon immer für Astronomie interessiert, und das Standesamt hat zugestimmt", meinte der Leiter der Warte, Dieter Herrmann.

Zur Zeit des Übergangs gehört auch der Kalte Krieg, findet Helmut Trotnow, Leiter des Alliiertenmuseums. Der ehemalige KGB-Offizier Oleg Gordievsky, der auch für die Briten arbeitete und vor 15 Jahren in den Westen floh, ist in kultureller Mission unterwegs. Er steht Trotnow am 21. Januar um 20 Uhr Rede und Antwort.

Die beliebteste Attraktion ist jedoch die "Lange Nacht". Mehr als fünfzig Museen, Sammlungen und Kunstprojeke lassen sich zu ungewöhnlicher Stunde bis mindestens zwei Uhr bestaunen. Die Organisatoren erwarten bis zu 50 000 Besucher. Die Nacht soll aber keine Massenveranstaltung werden: "Wir werden nie Würstchenbuden aufbauen", meinte Jochen Boberg, Leiter des Museumspädagogischen Dienstes. In der Nacht öffnen sich im Zeiss-Großplanetarium ab 18 Uhr zu elektronischen Klängen "Die Tore der Zeit". Im Museum der Dinge, das im Martin-Gropius-Bau untergebracht ist, sind Leonardo da Vinci und Joseph Beuys in einer Ausstellung vereint.

Damit die Berliner Museumslandschaft auch künftig abwechslungsreich bleibt, wollen Land und Bund nach Auskunft der Kulturverwaltung in den kommenden zehn Jahren drei Milliarden Mark investieren. "Der Anstieg der Besucherzahlen in den vergangenen drei Jahren um 1,7 Millionen ist eine beispiellose Erfolgsstory", sagte Ulrich Klopsch von der Kulturverwaltung. Mit der siebten "Langen Nacht" wird sie fortgeschrieben.Mehr Infos unter 030/283 97 444.

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