Berlin : Kultur satt

Andreas Conrad

rühmt die lukullische Tradition des Admiralspalasts Auf eine Hochseewerft wie zu Zeiten des Großen Kurfürsten müssen wir hier wohl noch einige Zeit warten, auch an ein Marineministerium ist vorerst nicht gedacht, aber einen Admiralspalast haben wir endlich wieder. Derlei Pflege des Bewährten ist in Zeiten allgemeiner Entwurzelung nur zu begrüßen. Auch die Entscheidung der neuen Eigner, den Schritt in die Zukunft mit einem Grande Café zu wagen und die Kultur folgen zu lassen, weist in die richtige Richtung und hat gerade in diesem Winkel der Stadt Tradition: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ – nur wenige Schritte trennen den neuen alten Palast vom Theater am Schiffbauerdamm, wo Brechts „Dreigroschenoper“-Weisheit 1928 erstmals über die Bühne hallte. Doch schwebt der Geist des Dichters auch über dem sanierungsbedürftigen Theater in der Friedrichstraße. Wieder geht es gewissermaßen um Fressen und Moral: „Das Verhör des Lukullus“, die Brecht/Dessau-Oper über den Feldherrn, der die Kirsche nach Europa brachte, wurde am 17. März 1951 im Admiralspalast uraufgeführt. Ulbricht hat das gar nicht geschmeckt.

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