Berlin : Kulturangebote im Kiez: Das Wohnzimmer als Lesebühne

ot

Theater zwischen Grabsteinen, Lesungen über Dächern am Flughafenrand, Jazz im Scheinwerferlicht der Landebahn - mit derart ausgefallenen Kulturangeboten will jetzt das Quartiersmanagement in der Schillerpromenade das umliegende Wohngebiet aufwerten. "Schillernde Donnerstage" heißt das mit 58 000 Mark aus dem Bundesfonds Soziale Stadt unterstützte Programm, das mit einer Krimilesung von Pieke Biermann am 15. März beginnt. Gestern wurde es von Bezirksbürgermeister Bodo Manegold (CDU) sowie Vertretern der Bürger und des Quartiersmanagements vorgestellt.

Für die bereits feststehenden 15 Folgeveranstaltungen hoben die Anwesenden übereinstimmend hervor, dass viele Ideen und Initiativen von Anwohnern und dort Beschäftigten ausgehen. "Inzwischen besteht über die Hälfte unserer Arbeit aus Projekten, die von den Menschen im Viertel selbst angeschoben werden", so Ilse Wolter, die seit über sieben Jahren als Beraterin im Viertel arbeitet und nun das Quartiersmanagement vertritt. Zu den Veranstaltern gehören denn auch Privatleute wie der Fotograf Gero von Freeden, der am 26. April zu einer Lesung des Schriftstellers Mario Wirtz in sein privates Wohnzimmer lädt. Diskussionsrunden und Lesungen hat er bereits veranstaltet, bevor die Kulturinitiative des Viertels, für die er heute spricht, vom Quartiersmanagement unterstützt wurde. Weitere Veranstaltungsorte werden von den Vereinen der ausländischen Anwohner gestellt. So gibt die Sängerin der Neuköllner Oper, Claudia Stangel, am 26. Juli in den Räumen des arabischen Vereins Al Huleh ein Solokonzert. Der Türkische Verein EM-DER beherbergt am 29. März musikalisches Kabarett.

Auf die Beteiligung der Vereine wurde mit gutem Grund Wert gelegt, wie Manegold betonte. Rund 20 Prozent der etwa 20 000 Einwohner des Areals zwischen Hermannstraße und Flughaufengelände seien verschiedenster ausländischer Abstammung. Etwa ein Drittel der Bewohner des Gebietes sind nach Angaben des Quartiersmanagements arbeitslos oder auf Sozialhilfe angewiesen.

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar