Kulturausschuss : Bedenken gegen Nofretete-Reise

Nofretetes Reise nach Ägypten wird immer unwahrscheinlicher. Nach Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat auch der Kulturausschuss des Bundestages seine Bedenken gegen eine Reise der mehr als 3000 Jahre alten Büste deutlich gemacht.

Berlin - Der Ausschussvorsitzender Hans-Joachim Otto, betonte nach der Sitzung, das Gremium unterstütze die Haltung Neumanns, wonach dem Schutz der Nofretete unter konservatorischen Geschichtspunkten Priorität einzuräumen sei.

Ägypten will die mehr als 3000 Jahre alte Statue ausleihen und in fünf Jahren zur Eröffnung des neuen Ägyptischen Museums an den Pyramiden zeigen.

Keine Risiken für Nofretete

Kulturstaatsminister Neumann lehnt dies ab. Dagegen fordert die Initiative CulturCooperation fordert unter dem Motto "Nofretete geht auf Reisen", die weltberühmte Büste während des Umbaus der Berliner Museumsinsel in Ägypten zu präsentieren.

Otto unterstrich, dass die Nofretete von unschätzbarem Wert sei und zum Erbe der gesamten Menschheit gehöre. Ziel sei es, das Kunstwerk zu bewahren und ihre Schönheit den Menschen zugänglich zu machen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Nofretete keinen unnötigen Risiken ausgesetzt wird.

Otto: Keine Zweifel an Rechtmäßigkeit des Erwerbs

Nachdem eine Untersuchung ergeben habe, dass Kalksteinkern und Gipsauflagen nicht überall optimal verbunden sind und dünne Hohlräume existieren, müsse diesem fragilen Zustand Rechnung getragen werden. Deshalb seien Erschütterungen und Temperaturschwankungen höchst gefährlich. Jedes Ansinnen, die Nofretete auszuleihen oder ihren Standort aus anderen Gründen zu verändern, müsse unter diesen Gesichtspunkten geprüft werden.

Zudem bestehen im Ausschuss nach Ottos Worten an der Rechtmäßigkeit des Erwerbs der Nofretete keine Zweifel. Ihr Weg von der Ausgrabungsstätte nach Berlin sei ausführlich dokumentiert und in allen Einzelheiten zu belegen. Auch die ägyptische Regierung habe die Rechtmäßigkeit des Übergangs der Büste in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nie infrage gestellt.

Die Büste der Nofretete wurde 1912 bei Ausgrabungen von Ludwig Borchardt entdeckt und anschließend mit Genehmigung der ägyptischen Behörden nach Deutschland gebracht. Ägypten hatte später mehrfach die Büste zurückgefordert. Es wird befürchtet, Ägypten könnte die kostbare Statue nach einer Ausleihe nicht wieder zurückgeben. (tso/ddp)

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