Berlin : Kulturbrauerei in Not: Rettung durch Senatsgelder

Ingo Bach

Die Kulturbrauerei, neben dem Großkino Hauptmieter auf dem Gelände der ehemaligen Schultheiss-Brauerei an der Schönhauser Allee, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Mittlerweile sollen Schulden von einer halben Million Mark aufgelaufen sein. Die Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH Kulturbrauerei, Karin Baumert, räumt Verbindlichkeiten in Höhe von "mehreren hunderttausend Mark" ein.

Grund für die Außenstände sind die hohen Personalkosten. Nachdem 1999 die zahlreichen ABM-Kräfte, die für das soziokulturelle Projekt arbeiteten, nicht mehr gefördert wurden, hat sie die Kulturbrauerei zum Teil auf eigene Kosten weiterbeschäftigt. Leisten konnte sie sich das aber nicht. Nun zog die seit dem 1. November amtierende Geschäftsführerin die Notbremse. Vor wenigen Tagen wurde den letzten beiden festangestellten Mitarbeitern der Gesellschaft betriebsbedingt gekündigt.

Außerdem verhandelt die Geschäftsführerin mit der Eigentümerin des Geländes, der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG). "Uns wurden Betriebskosten in Rechnung gestellt, die wir nicht verursacht haben", sagt Baumert, für Kellerräume zum Beispiel. Innerhalb des Projektes verfolgt die Geschäftsführerin einen rigiden Kurs, die Einnahmen zu steigern. Der Pachtvertrag mit den Betreibern des Kesselhauses, das kommerziell als Raum für Veranstaltungen vermietet wird, wurde im Oktober gekündigt. "Die machen mit unserem Inventar und unseren Mitarbeitern Gewinn, dafür sollen sie jetzt auch entsprechend zahlen." Der Betreiber des Kesselhauses, Dag Zippel, hält dagegen: "Wir sind jetzt schon fast das einzige Projekt, das Geld für die Kulturbrauerei einspielt." Das Kesselhaus überweist monatlich 21 000 Mark Pacht an die Kulturbrauerei. "Wenn wir noch mehr zahlen, ist unsere Existenz gefährdet", sagt Zippel. "Warum treibt man den einzigen Goldesel aus dem Stall, wenn es einem schlecht geht?"

Auch das "Russische Kammertheater" muss seine Spielstätte räumen. "Die können sich ein festes Haus nicht mehr leisten", sagt Baumert. Man habe dem Theater angeboten, weiterhin in der Kulturbrauerei an wechselnden Orten aufzutreten. Mehr Geld soll die "Galerie im Pferdestall" einbringen. Sie werde zu oft mit langen Ausstellungen blockiert, meint Baumert. Jetzt will sie die Galerie tageweise untervermieten.

Hilfe kommt von der Senatskulturverwaltung. 82 000 Mark Fördermittel, die der Kulturbrauereiverein - Gesellschafter der GmbH - zur Förderung von künstlerischen Projekten erhalten sollte, werden zur Schuldentilgung eingesetzt. "Mehr Geld wird es von unserem Hause aber nicht geben", stellt die Kulturstaatssekretärin Alice Ströver klar. "Ich habe hier keinen Feuerwehrtopf für in Not geratene Kulturprojekte." Das gemeinnützige Projekt ist auch im täglichen Betrieb von öffentlichen Zuschüssen abhängig. Zum einen bezahlt die Senatsverwaltung die Miete, zum anderen fördert sie quartalsweise mit einem festen Betrag künstlerische Vorhaben der Kulturbrauerei.

Diese Finanzspritze gibt es nicht ohne Gegenleistung. Die Kulturbrauerei müsse inhaltlich neu anfangen, heißt es aus der Kulturverwaltung. Die Projektarbeit sei konzeptionslos, das künstlerische Profil innerhalb der Berliner Kulturlandschaft ungenügend geschärft und das Projekt selbst nicht wirtschaftlich geführt. Die Kulturbrauerei befinde sich "inhaltlich in einem recht verwahrlosten Zustand", sagt Kulturstaatssekretärin Ströver. "Das Projekt droht, ins Nichts wegzurutschen"

Ist die Existenz der Kulturbrauerei durch das Finanzloch gefährdet? Nur zögernd sagt Geschäftsführerin Baumert: "Eigentlich nicht. Ich bin hier nicht als Konkursverwalterin angetreten."

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