Berlin : Kulturkampf um die Kollwitz-Pietà

Viele kritische Stimmen erhoben sich 1993 gegen das Mahnmal in der Neuen Wache

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„Nazis raus“ und „Aufhören“ riefen die Demonstranten, als am 14. November 1993 die Neue Wache wiedereröffnet wurde. Wenige Stimme, die dennoch für einen breiten Protest gegen die Gedenkstätte Unter den Linden standen. Bundeskanzler Kohl und seinem Kabinett wurde vorgeworfen, alle Entscheidungen über die inhaltliche Ausgestaltung der Gedenkstätte ohne die betreffenden Verbände getroffen zu haben. Sowohl die Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten, ehemalige Widerstandskämpfer, Verfolgte des Naziregimes als auch der Zentralrat der Juden fühlen sich übergangen. Jerzy Kanal, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, monierte, die Aufschrift „Wir gedenken den Millionen ermordeter Juden“ sei nur ein Halbsatz und werde dem Leiden der Verfolgten nicht gerecht. Auch die Inschrift „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“, kritisierten Gegner, sei unzulässig, da sie Opfer und Täter gleichsetze. Fünf Tage vor der Eröffnung der Gedenkstätte ketteten sich Gegner an den Eingang der Neuen Wache, um gegen den Schriftzug zu protestieren. Andere hielten die vierfache Vergrößerung der Originalskulptur „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz für eine künstlerische Unart. Außerdem sei die Skulptur ein christliches Symbol, mit dem jüdische Besucher nichts anzufangen wüssten. Schließlich befürchtete man, das historische Denkmal für Befreiungskriege sei nicht angemessen für ein Mahnmal der Opfer nationalsozialistischer Herrschaft. cof

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