Kulturstreit : Hochhuth besetzt Berliner Ensemble

Eklat am Berliner Ensemble: Rolf Hochhuth wollte das Haus im Sommer nutzen, doch das wurde ihm verweigert. Kurzerhand versuchte der Dramatiker das BE zu besetzen und beschimpfte unter anderem Klaus Wowereit als "Proleten".

Bei einem Presseauftritt des Dramatikers Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") ist es am Donnerstag im Berliner Ensemble (BE) zu einem Eklat gekommen. Angestellte des von Claus Peymann geleiteten Theaters am Schiffbauerdamm wollten Hochhuth und den Journalisten den Zutritt zum BE für dessen Pressekonferenz verweigern. Das Berliner Ensemble ist noch in den Theaterferien, Intendant Peymann war noch in Urlaub.

"Holt die Polizei, wenn man mich hier rausschmeißen will!", rief der sichtlich erregte 78 Jahre alte Dramatiker. "Ich bin der alleinige Besitzer dieses Hauses. Schließen Sie sofort auf, sonst fliegen Sie als erste raus!" Während seiner Aktion machte Hochhuth den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Kulturstaatssekretär André Schmitz und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (alle SPD) für die Situation verantwortlich. Hochhuth bezeichnete die Politiker mehrfach namentlich als "Proleten". Nach einigem erregten Hin und Her konnte die Pressekonferenz vor laufenden Kameras im ehemaligen Brecht-Theater stattfinden.

Hochhuth kündigt den Pachtvertrag

Hochhuth ist über die von ihm gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümer der Immobilie am Schiffbauerdamm, die er an das Land Berlin vermietet hat. Peymann (72) ist damit quasi Untermieter. Vor einer Woche hatte Hochhuth Peymann vergeblich per Einstweiliger Verfügung dazu zwingen wollen, ihm das Theater für einige Tage im August zur Verfügung zu stellen.

Der Dramatiker wollte dort sein Stück "Sommer 14" über die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs in eigener Regie aufführen, das jetzt am Sonntag in dem Veranstaltungszentrum Urania Premiere hat. Inzwischen hat Hochhuths Anwalt Uwe Lehmann-Brauns Berufung eingelegt, worüber an diesem Freitag vor dem Berliner Kammergericht verhandelt wird, wie der Anwalt im BE mitteilte. Außerdem hat Hochhuth den Pachtvertrag für das BE "fristlos gekündigt", wie er mitteilte. Der Vertrag läuft eigentlich bis Ende 2012 mit einer Option auf weitere 15 Jahre.

Hochhuths Anwalt sagte, es komme einer Tragödie gleich, dass Wowereit als Kultursenator zulasse, dass zwei Persönlichkeiten wie Peymann und Hochhuth aufeinanderprallen. Egal wie der Rechtstreit ausgehe, Peymann sei auf jeden Fall beschädigt.  (jg/ddp/dpa)

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