Kulturzentrum : Bethanien-Besetzer sollen Miete zahlen

Nach langjährigen Querelen hat sich der Bezirk nun entschieden: Das Kulturzentrum Bethanien soll in Zukunft von der Gemeinschaft für Stadtentwicklung verwaltet werden. Wenn sie bleiben wollen, müssen die ehemaligen Bewohner der Yorckstraße 59 und jetzigen Besetzer des Südflügels wohl bald Miete zahlen.

Bethanien
Künstlerhaus Bethanien. -Foto: dpa

Ein Treuhänder soll in Zukunft das Kulturzentrum Bethanien am Kreuzberger Mariannenplatz verwalten. Zuallererst soll er allen Bewohnern Mietverträge geben und sich darum kümmern, dass der Südflügel baulich vom Haupthaus abgetrennt wird. Das beschlossen am Mittwoch die Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksverordneten. Nach langjährigen Querelen um das Haus bezeichneten Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Bündnis 90/ Die Grünen) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Andy Hehmke die Entscheidung als „historisch“.

2005 besetzten Bewohner des Hauses Yorckstraße 59 den leer stehenden Südflügel. Durch ein erfolgreiches Bürgerbegehren konnte die aus Besetzern und anderen Gruppen gegründete „Initiative Zukunft Bethanien“ (IZB) den geplanten Verkauf an einen Investor stoppen. Die Nutzer des Haupthauses, vor allem das Künstlerhaus Bethanien, waren von den neuen Nachbarn nicht begeistert. Sie fürchteten einen Ansehensverlust für ihre Ausstellungen durch die stark alternativ orientierten Nachbarn.

Der BVV-Beschluss ist nun ein Kompromiss, der alle Gruppen berücksichtigen soll. Das Bethanien verbleibt damit in öffentlicher Hand. Die Besetzer erhalten die Chance, zu legalen Bewohnern mit günstigen Mietverträgen zu werden. Die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) hat ihre Bereitschaft signalisiert, das 15 580 Quadratmeter große Bethanien treuhänderisch zu verwalten. Der Bezirk will nun Verhandlungen aufnehmen und die Konditionen festlegen. In einer Modellrechnung liegen die durchschnittlichen Warmmieten für die Bewohner bei monatlich 5,57 Euro pro Quadratmeter. Die müsste auch der Bezirk mit seinen Einrichtungen wie dem Kunstraum Kreuzberg und der Musikschule zahlen. Dem Modell muss aber noch der Finanzsenator zustimmen.

Die Besetzerinitiative wollte eine Selbstverwaltung des Hauses durch die Bewohner erreichen. Nun kritisiert sie die jetzige Lösung als „nicht integrativ“. Vor allem wegen der geplanten baulichen Trennung. Das Künstlerhaus wird wohl nicht im Bethanien bleiben. „Uns bleibt nur der Auszug“, bedauerte Leiter Christoph Tannert. Seit dem vergangenen Jahr ist er auf der Suche nach einem Ersatzgebäude. mj

0 Kommentare

Neuester Kommentar