Berlin : Kummer mit der Nummer

Hunderte Berliner warten auf Telefon und Internet Leser berichten über den Ärger mit den Anbietern

Mal schnell einen Termin bestätigen, kurz den Busfahrplan oder das Kinoprogramm aus dem Internet herunterladen – ohne einen Telefon- und Internetanschluss geht das nicht. Vor einigen Tagen berichteten wir, dass viele Berliner zur Zeit auf die Freischaltung ihres Anschlusses warten. Sie sind zu einem billigen Telefonanbieter gewechselt oder haben sich dort neu angemeldet. Mehr als zwei Dutzend Leser reagierten auf den Bericht und schrieben von ihren Erfahrungen:

Paul Nitsche zum Beispiel wartet bereits seit August auf seinen Anschluss bei Tele2. Etliche Briefe, Faxe oder E-Mails schrieb er an das Unternehmen, 15 Schreiben „mit unterschiedlichem Inhalt“ erhielt er zur Antwort. Seine Kündigung wies der Anbieter Tele2 mit der Begründung zurück, dass das Unternehmen sich „drei Nachbesserungsversuche“ vorbehalte. Ein anderer Berliner bestellte ein Internet- und Telefon-Komplettpaket bei Freenet – und wartet seit 16 Wochen. Ein Doktorand geriet mit seiner Arbeit in Verzug, weil er nicht für seine Doktorarbeit recherchieren konnte. Auch Designer Jean-Philippe Sellin aus Kreuzberg, Kunde des Anbieters 1&1, ist beruflich auf Telefon und Internet angewiesen. Im September 2007 wechselte er zu 1&1 – und wartet seitdem.

Wer genau an der Verzögerung beim Anbieterwechsel oder Neuanschluss Schuld hat, ist strittig. Alternative Anbieter sagen unter anderem, die Telekom schalte die Leitungen nicht schnell genug frei. Die Telekom wiederum behauptet, die kleineren Anbieter forderten oft mehr als die vertraglich vereinbarte Zahl von sogenannten Schaltungskontingenten. Dadurch komme es zu Engpässen. Nach eigenen Angaben bedauern die Anbieter der billigen Telefon- und Internetanschlüsse die langen Wartezeiten. Tele2 schreibt in einer offiziellen Stellungnahme, dass jeder Kunde, bei dem „zurzeit noch Verzögerungen auftreten“ kontaktiert und „über die weiteren Schritte informiert“ werde. Carsten Nillies, Pressesprecher von Alice, sagt, sein Unternehmen setze auf Kooperation mit der Telekom. Andreas Maurer von 1&1 verweist darauf, dass im Vertrag gar nicht vermerkt sei, wie lange es dauere, bis ein Anschluss freigeschaltet werde. Eine Sprecherin von Freenet sagt, man müsse jeweils die Einzelfälle prüfen. Für Verzögerungen gebe es unterschiedliche Gründe. Die Deutsche Telekom versprach am Donnerstag offiziell, künftig Festnetzanschlüsse von Kunden schneller auf die Konkurrenten umzuschalten. Zudem solle die Zahl der sogenannten Schaltungskontingente erhöht werden.

Wer noch immer auf seinen Anschluss wartet, der solle dem Anbieter schriftlich eine Frist setzen und mit Kündigung drohen, empfiehlt Ronny Jahn, Jurist bei der Verbraucherzentrale. Am besten solle man ein Einschreiben mit Rückschein senden. „Ein wirklich wirksames Druckmittel hat man nicht“, sagt Jahn. Oft seien die Verträge nicht konkret formuliert, der Anbieter halte sich so einen Ausweg offen. Zudem könne ein Vertrag unter Umständen sogar mündlich, zum Beispiel am Telefon, geschlossen werden. Dass alles jedoch – theoretisch – auch ganz ohne lange Warterei vonstatten gehen kann, bestätigen die Berichte einiger weniger Leser. Beim Anbieterwechsel oder Neuanschluss hatten sie laut eigenen Angaben nicht die geringsten Probleme. tja

Weitere Informationen gibt es bei der Verbraucherzentrale (www.vz-bln.de), Bayreuther Straße 40. Dienstags von 10 bis 16 Uhr, donnerstags von 10 bis 19 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr gibt es Rechtsberatung (15 Euro). Telefonische Beratung montags, dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr unter der Nummer 090 018 877 100 (1,86 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz).

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar