Berlin : Kunden machen sich auf die Sohlen Aktion von Schuhhändler in neuer Markthalle

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Philipp Sacher ist wiedergekommen. Der Fitnesscenterbetreiber aus Kreuzberg war bereits am Donnerstag beim „X-Mas Sale“ des größten deutschen Online-Schuhhändlers Zalando noch bis Sonntag in den Markthallen an der Luckenwalder Straße am U-Bahnhof Gleisdreieck. „Doch da hatte ich zu wenige Taschen dabei.“ Freitagmorgen waren er und sechs Freunde die ersten, die Punkt 11 Uhr in die Halle stürmten. Die Wartezeit von einer Stunde hat sich für Sacher, der gegen 12 Uhr einen Berg Schuhkartons und Kleidungsstücke zur Kasse trägt, gelohnt: „Ich habe Fitnessschuhe für meine Belegschaft gekauft, die sind sonst unbezahlbar, hier kosten sie 20 Euro.“ Bereits am Vortag habe er für 13 Paar Schuhe 130 Euro bezahlt: „Deren Marktwert liegt bei 1000.“

Wie Sacher kommen auch am zweiten Tag so viele Kunden zum Direktverkauf, dass die Sicherheitskräfte immer wieder die Tür zur Verkaufshalle schließen müssen. Das Kalkül des Online-Händlers geht auf: Es ist vor allem zurückgegebene Ware, sonst ein Bilanzenschädiger vor allem im Online-Kleidungsgeschäft, die hier an Frau und Mann gebracht wird – mit Erfolg: „Eigentlich sind wir von 70 000 Paar für die gesamte Zeit ausgegangen, aber die Menge werden wir erhöhen müssen“, sagt Filip Dames, Geschäftsführer des Zalando-Ablegers „Zalando Lounge“ und zuständig für die Logistik rund um den erstmaligen Direkt-Verkauf. Die Situation hätten die gut 100 Mitarbeiter im Griff, sagt der 26-Jährige, der selbst mit anpackt: „Es ist aber schon krass, wie sich die Leute auf einen stürzen, wenn man mit einer Palette aus dem Lager kommt.“

Wenig begeistert vom Zalando-Coup zeigt sich der Bundesverband des deutschen Schuheinzelhandels: „Wenn so ein Riese mit Rotstiftpreisen ins Saisongeschäft reingeht, ärgert das die Händler vor Ort“, sagt BDSE-Geschäftsführer Siegfried Jacobs. Eine Position, die auch die Kunden in der Halle nachdenklich macht: „Ich hab’ schon drüber nachgedacht, wie das jetzt wäre, wenn so etwas in meiner Branche passierte“, sagt auch der Sportpädagoge Philipp Sacher. Filip Dames von Zalando sieht das gelassen: „Wir vergrößern den Markt, davon profitieren alle.“ Eine Position, die Siegfried Jacobs durchaus bestätigt: „Dass Zalando so massiv wirbt, scheint momentan noch der ganzen Branche zu nutzen.“ Deren Umsatz sei 2010 um sechs Prozent gewachsen. In den neuen Markthallen am Gleisdreieck bekommt man aber nicht nur Schuhe: Am Wochenende findet auch wieder der Wochenmarkt statt. Johannes Schneider

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