Kunst am Bau : Ringelnatz am Giebel

Ein von Joachim Ringelnatz inspiriertes Wandbild wurde an einem Lichtenrader Haus aufgefrischt. Es geht auf sein Gedicht "Die Landpartie der Tiere" zurück.

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Vor 20 Jahren entstand dann das von Ringelnatz inspirierte Wandbild von Helge Heberle und Hans-Dieter Wohlmann. Jetzt wurde es restauriert.
Vor 20 Jahren entstand dann das von Ringelnatz inspirierte Wandbild von Helge Heberle und Hans-Dieter Wohlmann. Jetzt wurde es...Foto: Degewo / promo

"Wir machen eine Partie! Rief das Vieh." Leichter gesagt als getan. Um die 50 Tiere, die beschließen, eine gemeinsame Fahrt ins Grüne zu unternehmen – da stoßen allerhand unterschiedliche Interessen aufeinander, nehmen wir nur ein paar Beispiele: "Ich auf dem Kahn! Krähte der Hahn" oder "Ach nein! Grunzte das Schwein“ und "Kommt denn kein Wirtshaus? Fragte die Fledermaus."

Ganze 14 Jahre war der aufstrebende Dichter Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz erst alt, als die von ihm ersonnene "Landpartie der Tiere" erstmals in Druck ging, damals noch ohne Illustrationen zu den einfach gestrickten, humorigen und unbedingt kindgerechten Paarreimen, während sich heute zahlreiche Illustratoren an der als Kinderbuch nach wie vor populären Geschichte versucht haben.

Ein Werk auf zehn mal elf Metern

Und sie hat auch vor 20 Jahren zwei Berliner Künstler zu einem haushohen Wandgemälde inspiriert, das seither an der Giebelfläche eines ehemaligen BVG-Wohnhauses in der Lichtenrader Ringelnatzstraße 30 prangt: "Ausflug der Tiere ins Grüne", geschaffen von Helge Heberle und Hans-Dieter Wohlmann. Im Vordergrund ein historischer Großer Gelber, dem gerade einige der animalischen Fahrgäste entstiegen sind, Pinguine etwa, ein Känguru, eine Giraffe, auch Fuchs und Hase als Mitglieder der heimischen Fauna sind vertreten, während in der Ferne die Häuser einer Großstadt, Berlin vielleicht, in den Himmel ragen.

In 20 Jahren setzt so ein Wind und Wetter ausgesetztes Gemälde Patina an, im Rahmen einer Giebelwandsanierung wurde es nun von seinen Urhebern aufgefrischt und der Bus um das Logo der Degewo ergänzt, die das Wohnhaus nebst anderen BVG-Beständen 2013 übernommen hatte. Zehn mal elf Meter ist das Werk groß, das nicht nur durchs Ringelnatz-Gedicht, sondern ebenso durch Gemälde des 1883 in Wurzen bei Leipzig geborenen, 1934 in Berlin gestorbenen Dichters, Kabarettisten und Malers inspiriert wurde. Der hatte nebenbei auch ein Faible für Fußball: Er war Mitglied bei Hertha BSC.

Aber die Wandmaler sehen ihr Werk keineswegs nur als rückwärtsgewandte Würdigung, sondern hoch aktuell, wie Hans-Dieter Wohlmann es beschreibt: "Das Bildmotiv mit den verschiedenen Tieren steht aus heutiger Sicht auch für unsere multikulturelle Gesellschaft, in der sich Fremde treffen, gut vertragen und Freunde werden."


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