Berlin : Kunst für die Kleinen

Viele Museen haben Angebote für junge Besucher. In der Gemäldegalerie wird am Sonntag sogar ein eigenes „Kinder-Reich“ eröffnet

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Im Bilderparadies. Auch Führungen werden beim Kinderfest am Sonntag in der Gemäldegalerie angeboten. Foto: promo
Im Bilderparadies. Auch Führungen werden beim Kinderfest am Sonntag in der Gemäldegalerie angeboten. Foto: promo

Unter welchen Bedingungen haben Maler früher gearbeitet? Welche Materialien haben sie verwendet, und woraus haben sie all die bunten Farben hergestellt? Antworten auf viele Fragen rund um die historische Malerei gibt es im neuen „Kinder-Reich“ in der Gemäldegalerie am Kulturforum. Der Nachbau eines niederländischen Künstlerateliers aus dem 17. Jahrhundert wird am Sonntag im Rahmen des schon traditionellen Kinderfests eröffnet. Diese Veranstaltung, eine Initiative des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins und der Besucherdienste der Staatlichen Museen, richtet sich vor allem an Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Diesjähriges Motto: „In der Werkstatt des Malers“.

Im Malbereich des Kinderfests können die jungen Besucher Staffeleien bauen und daran malen. Außerdem erfahren sie, dass Rottöne wie Karmin und Purpur früher in großem Umfang aus Schnecken und Schildläusen hergestellt wurden. In der Skulpturenwerkstatt stehen Aktivitäten mit Ton, Holz und Speckstein im Vordergrund, während in der Drucker- und Zeichenabteilung unter anderem die Möglichkeiten der Stempelherstellung, des Linolschnitts und des Daumenkinos erkundet werden können. Als Einstieg in die große Gemäldesammlung des Hauses finden darüber hinaus zahlreiche Kurzführungen zur Porträt-, Landschafts-, Genre- und Stilllebenmalerei statt. „Sogar eine Geräuschemacherin ist dabei, die die Bilder vertont“, verrät Organisatorin Bettina Held.

Das neue Kinder-Reich, eine Spende des Museums-Vereins, der die Gemäldegalerie und die Skulpturensammlung fördert, widmet sich vor allem der theoretischen Vor- und Nachbereitung des Museumsbesuchs. Neben dem bühnenartigen Nachbau einer Malerwerkstatt und einem Frage- und Antwortspiel gibt es ein „Lern-Buffet“ mit Schautafeln und Anschauungsmaterial. „Wir planen gerade die künftigen Öffnungszeiten des neuen Didaktikums“, sagt Held. „Nach Möglichkeit soll es nicht nur angemeldeten Gruppen und Schulklassen, sondern auch Besuchern während des normalen Museumsbetriebs zur Verfügung stehen.“ Zum Eröffnungsprogramm am Sonntag gehören Juri Tetzlaff vom Kika als Moderator, das Kindertheater Zauberstern und die Schlangenfrau Queen Katerin.

Dass es nicht immer reicht, wenn Eltern ihre Kinder vor einem Gemälde auf den Arm nehmen, um jungen Besuchern Kunst näherzubringen, wissen mittlerweile fast alle Museen. Und so gibt es inzwischen in zahlreichen Berliner Häusern museumspädagogische Programme und Aktionen für Kinder und Jugendliche. Besonders umfangreich ist das Angebot der Staatlichen Museen, unter anderem mit Führungen durch das Neue Museum über das Leben im alten Ägypten oder Workshops zum Thema Drachen und Helden im Bode-Museum. Die Staatlichen Museen veranstalten in diesem Halbjahr auch wieder eine Kinderakademie mit etlichen Kursangeboten zu Themen wie dem Weltwunder Babylon, der Bronzezeit, der Entstehung der Schrift oder den Ausgrabungen in Berlin. Die Kurse haben zwar bereits begonnen, doch vor allem in den Bereichen Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst sind noch Plätze frei. Denn nicht nur das Altertum und alte Meister wollen entdeckt sein – manchmal bietet gerade die moderne Kunst einen intuitiv-kindgerechten Zugang. So organisiert das Deutsche Guggenheim Unter den Linden zur kommenden Ausstellung „Almech“, für die der polnische Künstler Pawel Althamer den Galerieraum in eine Skulpturenwerkstatt verwandelt, spezielle Workshops und Führungen mit spielerisch-kreativem Schwerpunkt.

Und obwohl es an sich schon spannend ist, Dinosaurierskelette oder Windmühlen zu bestaunen, organisieren auch das Deutsche Technikmuseum und das Museum für Naturkunde viele Angebote für junge Besucher. Im Technikmuseum kann man unter anderem Papier schöpfen und anhand von Aufgaben spielerisch in die Welt der Schiffe, Luftfahrt und Eisenbahnen eintauchen. Auch zur neuen Ausstellung „Windstärken“ (ab 26. Oktober) wird es spezielle Angebote für Kinder geben. Im Naturkundemuseum reicht das Angebot von Taschenlampenführungen über das Forschen und Experimentieren im Mikroskopierzentrum und Humboldt-Exploratorium bis zu einer neuen Reihe mit wissenschaftlichen Vorlesungen für Schüler ab der siebten Klasse. Die erste Vorlesung am 20. Oktober hält Oliver Colemann, Kurator für die Krebstier-Sammlung, der von seinen naturkundlichen Reisen erzählt – und von seinen Lieblingstieren: Flohkrebse.

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