Berlin : Kunst in Schutt und Asche

Die Feuerwehr rettete 100 Werke vor den Flammen im Hamburger Bahnhof – hat ein Teelicht den Brand ausgelöst?

Tanja Buntrock,Claudia Keller

Von Tanja Buntrock

und Claudia Keller

Am Tag nach dem Feuer im Hamburger Bahnhof wühlen Kriminalbeamte des Brandkommissariats im Schutt. Der Haufen ist der verkohlte Rest, der von der Installation des Künstlers Kai Althoff im Seitenflügel des Museums übrig geblieben ist. Auch eine Bodenskulptur von Manfred Pernice und eine Wandskulptur von Daniel Roth wurden beschädigt. Das Feuer war am Sonntagabend um 19.46 Uhr ausgebrochen. Die Ursache war am Montag noch unklar. Ein Blitzschlag schließt die Kripo aus. Sie vermutet den Brandherd in dem Raum mit der Althoff-Installation, bei der Teelichter Bestandteil des Kunstwerks sind.

Menschen wurden durch das Feuer nicht verletzt. Flammen und Rauch beschädigten 400 Quadratmeter Fläche, auf der die Ausstellung „Actionbutton“ mit Werken aus der Bundeskunstsammlung gezeigt wurden. Experten schätzen den Wert der Schau auf eine Million Euro, den Wert der Althoff-Installation auf 50000 Euro.

„Wir sortieren und analysieren den Schutt, um die Brandursache zu finden“, sagte ein Kripo-Beamter. „Beispielsweise klären wir ab, ob Elektrogeräte in Betrieb waren.“ Neben Stellwänden und Elektroleitungen holten die Beamten die Überreste von 40 Teelichtern aus dem Schutthaufen. Sie gehörten zu der Althoff-Installation mit dem Titel „Aus Dir“. Ob ein Teelicht, das nach Ende der Öffnungszeit aus Versehen brennen gelassen wurde, das Feuer ausgelöst hat? „Zur Brandursache können wir noch keine Angaben machen“, hieß es bei der Kripo.

Etwa 100 Kunstwerke konnten Feuerwehrleute und Museumsmitarbeiter aus angrenzenden Räumen retten, sagte der Kripo-Beamte. „Der Raum, in dem der Brand vermutlich ausgebrochen ist, ist nicht völlig zerstört. Starke Rußspuren sind an den Wänden zu sehen.“ Betreten durfte ihn außer den Spezialisten und Museumsmitarbeitern am Montag niemand.

„Es hätte noch viel schlimmer kommen können“, sagte Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Künstler Kai Althoff ließ durch Museumsdirektor Eugen Blume ausrichten, dass er erst einmal den Schock verarbeiten müsse. Er könne darüber nicht sprechen. Althoffs Werk stellte eine Hofsituation dar mit Alltagsgegenständen wie Teppichboden, Fahrrädern, Teelichter und Wachs. Anspruch auf Schadenersatz hat Althoff nicht, er hat das Werk vor einem Jahr an die Bundeskunstsammlung verkauft.

Wie hoch der Schaden sei und ob er von der Versicherung übernommen wird, darüber wollte im Museum am Montag niemand etwas sagen. „Wir überlegen zuerst, wie wir hier wieder Sicherheit herstellen können.“ Einsturzgefahr von Bauteilen bestehe aber nicht. Am heutigen Dienstag um 10 Uhr will das Museum wieder öffnen. Der beschädigte Bauteil werde für die Öffentlichkeit gesperrt und umgebaut. Die unversehrte Hälfte der Ausstellung „Actionbutton“ will man bis Ende August weiterhin zeigen. Wie lange die Restauratoren brauchen, um die verrußten Bilder zu säubern, ist noch unklar. Die Feuerwehr lobte, dass die Brandschutzanlagen einwandfrei funktionierten, so griffen die Flammen nicht auf andere Gebäudeteile über.

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