Berlin : Kunst ist Waffe

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat macht

400 Abgeordneten ein Gesprächsangebot

Jede Pioniergruppe, jedes FDJKollektiv hatte einen Kulturverantwortlichen, damals in der DDR. Der organisierte die Kulturmaßnahmen. Er bekam Geld vom Kassierer, kaufte davon Theater- oder Kinokarten und notierte auf einer Liste all jene Mitglieder des Klassenkollektivs, die sich nicht an der Kulturmaßnahme beteiligten. Diese Mitglieder waren offensichtlich nicht an ihrer Reifung zur „sozialistischen Persönlichkeit“ interessiert. Mit diesen Mitgliedern sprach man noch.

Die Kulturverantwortliche der Bundesregierung heißt Christina Weiss. Sie hat Mittwochabend einen Ausflug des Arbeitskollektivs der Bundestagsabgeordneten ins Kino International organisiert (Seite 11). Für den Eintritt musste weder der Bundesregierungskassierer Eichel noch der Bundestagskassierer Thierse aufkommen – das zahlte alles die Filmproduktionsfirma. Umso erstaunlicher, dass sich längst nicht alle 600 Abgeordneten an der Maßnahme beteiligten. Nur 200 haben „Good Bye, Lenin!“ gesehen und ihre innenpolitischen Schlüsse gezogen. Hat Frau Weiss die Namen der 400 Fehlenden notiert? Man sollte mit ihnen über ihre freiheitlich-demokratische Grundreife sprechen.

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