Berlin : Kunst kommt von Kennen

Reger Andrang in der Ausstellung mit Werken aus Hasso Plattners Sammlung in Potsdam. Gäste zeigen sich begeistert.

Jana Haase
Nah dran. Für die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Plattner wurde der Vortragsraum im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte in Potsdam umfunktioniert. Foto: Rebecca F. Miller
Nah dran. Für die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Plattner wurde der Vortragsraum im Haus der Brandenburg-Preußischen...

Potsdam - Jetzt können sich auch die Potsdamer ein Bild davon machen, welche Kunst der Mäzen Hasso Plattner in ihrer Stadt ausstellen will. Das Interesse an der neuen Ausstellung im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte im Kutschstall am Neuen Markt ist recht beachtlich. Allein am ersten Tag waren mehr als 200 Besucher da. Eine von ihnen ist Regina Abraham. „Ich wollte das sehen, ehe es voll wird“, sagt die 72-Jährige: „Ich bin Fan von DDR-Kunst, und als Potsdamerin freue ich mich sehr, dass das jetzt hier an Ort und Stelle ausgestellt wird.“ Aus Plattners Sammlung ostdeutscher Kunst sind 28 Bilder von neun Künstlern zu sehen. Titel der in drei Wochen auf die Beine gestellten Schau: „Einblick und Ausblick“.

Es ist – bei kostenlosem Eintritt – ein Vorgeschmack auf die von Plattner geplante Kunsthalle am Jungfernsee, um die es in den vergangenen Monaten in Potsdam so erhitzte Diskussionen gegeben hat. Die Debatten sind in der ersten Etage des Museums schnell vergessen. Hier hängen die Gemälde, im Vortragsraum des Museums, den der Potsdamer Gestalter Albrecht Ecke mit schwarzen Holzstellwänden provisorisch zum Ausstellungsraum umfunktioniert hat. Der Besucher tritt den Bildern in beinahe intimer Atmosphäre gegenüber. So nah wie hier wird man den Werken später in der Kunsthalle sicher nicht mehr kommen.

„Ich freue mich, dass Herr Plattner das so zugänglich macht“, sagt Regina Abraham nach dem Rundgang. Für die pensionierte Deutschlehrerin macht die Schau auch „den Akt des Sammelns ein Stück weit nachvollziehbar“: „Ich hoffe, dass noch eine zweite Auflage kommt.“

Durchweg begeisterte Stimmen bei anderen Gästen an diesem Vormittag. „Ich wollte wissen, was auf uns zukommen wird“, sagt Siegfried Jahn, Hotelfachmann aus Nuthetal: „Mir gefällt es außerordentlich gut.“ Überrascht hätten ihn Wolfgang Mattheuers Landschaftsbilder, aber auch Werner Tübkes „Der Narr und das Mädchen“. Plattners Sammlung, freut sich Jahn, ist „etwas ganz Eigenes“.

„Ich war jetzt das erste Mal hier, aber sicher nicht das letzte Mal“, sagt Karla Schreiber, die besonders glücklich über den freien Eintritt ist. „Gemälde muss man wirken lassen“, sagt die Rentnerin aus Potsdam. Zu DDR-Zeiten habe sie sich „viel zu wenig“ mit ostdeutschen Künstlern beschäftigt: „Das will ich jetzt nachholen.“ Ganz ähnlich äußert sich Birgit Wischnewski aus Geltow, die die Ausstellung mit ihrem Mann besuchte: „Früher habe ich DDR-Kunst abgelehnt – wegen der Systemnähe.“ Jetzt zeigt sie sich etwa vom „Karneval“-Diptychon von Ulrich Hachulla angetan. Seine Gemälde zeigten staatlich verordnete Heiterkeit ebenso wie die Verbitterung in den Gesichtern: „Das ist wunderbar gemacht.“

Zufrieden mit dem Interesse der Besucher zeigt zeigt sich Museumssprecherin Antje Frank. „Dass an einem Tag mehr als 100 Besucher kommen, ist bei uns nicht gerade gewöhnlich.“ Auch wenn der Museumsraum in der ersten Etage normalerweise nur für Vorträge genutzt wird, sei er mit der für die Ausstellung nötigen Klimaanlage und Sicherheitstechnik ausgerüstet. Die notwendigen Versicherungen für die Gemälde habe der Sammler Hasso Plattner übernommen.

Und dann ist die Kunsthallen-Frage doch wieder Thema: „Unglücklich“ findet Karla Schreiber die Diskussion über den Standort. Dass die Kunsthalle nicht wie zunächst avisiert anstelle des Hotel Mercure errichtet wird, bedauern auch Siegfried Jahn und die Wischnewskis. „Ich schäme mich manchmal zu sagen, dass ich aus Potsdam bin“, sagt Regina Abraham: „Hasso Plattner schenkt uns eine Kunsthalle – und wir streiten über den Standort. Ich verstehe das nicht.“

„Einblick und Ausblick“ ist noch bis zum 16. September im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte, Am Neuen Markt 9, zu sehen. Geöffnet dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr, freitags 10 bis 19 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr. Montags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

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