Berlin : Kunst und Bagels

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Martin Gropius wäre mit der illustren Gesellschaft im Lichthof seines Neorenaissance-Prunkbaus zufrieden gewesen: kein rauschendes Fest, sondern abwechselnd Häppchen essen, Wein trinken, Kunst betrachten. Und die ganze Nacht war nach ihm benannt - immerhin eine späte Huldigung des Baumeisters.

Ob es ihm jedoch gefallen hätte, sein Museum auch von den Christos verhüllen zu lassen, ist eine andere Frage. Doch genau darum geht es in den kommenden Wochen: um Verhüllungen. Ob als extravagante Modenschau, auf Fotoabzügen oder im kulinarischen Sinne - die Partner für Berlin haben den Begriff als Vorlage genommen und bieten jeden Sonnabend bis Mitternacht ein Rahmenprogramm zur Christo-Ausstellung.

Diesmal war es eine Amerikanische Nacht, mit Bergen von Cream-Bagels und reichlich kalifornischem Wein der besseren Sorte. Für den üblichen Eintritt ins Museum wurde ein verlängerter Kunstgenuss geboten, aufgepeppt mit spritziger Comedy der amerikanischen Künstlerinnen Victoria Pickett und Priscilla Be, die als "Phil & Bill" - männlich verhüllt - auf der kleinen Bühne sangen, tanzten und johlten, bis auf ihrer dritten Performance endlich das Publikum mitging und Fähnchen schwenkte.

Star des Abends war natürlich Michael S. Cullen, der Promoter, Freund und Ideengeber der Christos, dem es auch mit zu verdanken war, dass der Reichstag nach jahrzehntelanger Diskussion dann doch noch verpackt wurde - mit dem überwältigenden Erfolg, der das Projekt zu einem Geschenk für Berlin machte. Und so plauderte er auf dem Podium über vergangene Projekte des Künstlerehepaars Christo und Jean-Claude: ein kleiner Parcoursritt durch die Kunstgeschichte, angereichert mit Anekdoten. Allerdings hielten nur wenige bis zu seinem spätabendlichen Talk durch, konnte man ihm doch schon vorher ein paar Geschichten über die Christos entlocken.

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