Berlin : Kunst und Kahn

Eine Fahrt durch den Spreewald ist nicht nur idyllisch, sie kann auch zum Philosophieren anregen So geht es Besuchern der „Aquamediale“: Sie dürfen nicht nur die Natur vom Boot aus betrachten

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Lübben - Nachts wird es unheimlich im Spreewald. Fledermäuse fliegen dicht über die Köpfe der Menschen im Kahn. Irgendwo raschelt es am Ufer, bis ein Reh davonspringt. Im nächsten Augenblick leuchten Wassergeister in wechselnden Farben. Nach einem kleinen Hinweis des ansonsten schweigsamen Kahnfährmanns richten sich die Blicke nach oben. Da hängt tatsächlich ein überdimensionaler Badewannenstöpsel in den Bäumen.

Am Ende der rund 45-minütigen Rundfahrt um die Schlossinsel von Lübben, eine Autostunde südlich von Berlin, klärt eine Leuchtschrift auf, was das alles soll: „Alles fließt“. Eine sich im Wasser spiegelnde Plastiktafel nennt das Motto der Kunstaktion „Aquamediale“. Zum siebten Mal findet sie statt und steht diesmal unter dem aus der griechischen Mythologie stammenden und zum geflügelten Wort gewandelten Motto „Panta Rhei“. Geschickt hat der Kurator Herbert Schirmer, bekannt als letzter DDR-Kulturminister im Kabinett von Lothar de Maizière, erneut die Spreewaldromantik mit den phantasievollen Werken von sieben Künstlern aus vier Ländern verwoben.

Bis zum 11. September kann sich jeder selbst ein Bild machen und sich buchstäblich verzaubern lassen. „Erstmals bieten wir freitags abendliche Fahrten auf einem Kunstkahn an“, sagt Schirmer, der damit einen Wunsch vieler Besucher der vergangenen Jahre erfüllt. Tagsüber gebe es eine große Ablenkung durch andere Reize am Ufer. Abends oder nachts sei der Erlebniswert dieses Kunstfestivals – eine Kooperation des Landkreises Dahme-Spreewald und der Tourismusgesellschaft Lübben – noch größer.

Die Resonanz auf die Eröffnungsfeier am späten Samstagabend gab Schirmer recht. 400 Einheimische und Touristen ließen sich ab 21.30 Uhr in Kähnen durch die Kunstlandschaft staken, insgesamt 1200 Kartenwünsche lagen vor. Noch lange nach der Tour standen die Gäste im Lübbener Hafen zusammen und diskutierten mit den Künstlern über deren Ansichten über die „Beziehungen zwischen Mensch und Natur“. Markus Wilfling aus Österreich etwa will mit seinem „Baumstöpsel“ ganz bewusst die Betrachter irritieren. „Ein Stöpsel versetzt gewöhnlich etwas Fließendes in einen ruhenden Zustand“, sagte der Künstler aus der Steiermark. „Hängt er aber als vergrößertes Exemplar in den Bäumen, regt er die Menschen hoffentlich an, Gewohntes infrage zu stellen.“

Andere Teilnehmer thematisieren mit in drei Badewannen montierten Springbrunnen die permanente Wasserverschwendung oder veranschaulichen den Klimawandel durch langsam im Fluss versinkende Hausgiebel. Großformatige Fotografien von Kay Strasser von den Mangrovenwäldern in Burma könnten auf den ersten Blick auch im Spreewald gemacht worden sein. „Alle Wälder haben gemeinsame Wurzeln im Urwald“, lautet denn auch die Botschaft des 31-jährigen Fotografen aus Berlin.

Die siebte Aquamediale in Lübben findet noch bis zum 11. September statt und ist während der normalen Kahnfahrten rund um die Schlossinsel zu erleben. Jeden Freitag legt um 18.30 Uhr ein Kunstkahn mit sachkundigen Erläuterungen zum Preis von 12 Euro ab. Mindestens fünf Teilnehmer müssen sich für die Fahrt anmelden. Am 16. Juli, 13. August und 27. August sitzt Kurator Herbert Schirmer ab 20.30 Uhr mit im Kunstkahn und erläutert die Werke. Vorher kann ein Menü im Schlossrestaurant gebucht werden. Gruppenfahrten sind zu allen Terminen möglich. Claus-Dieter Steyer

Spreewaldinformation Lübben, Telefon 035 46 / 3090, www.aquamediale.de

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