Berlin : Kunst- und Kaufrausch am Einheitswochenende

Hunderttausende strömten in offene Geschäfte und Museen – U-Bahnen und Busse waren überfüllt

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Für Ralph Teuber war es das schönste Wochenende des Jahres. Nicht, weil sich gestern der Tag der Deutschen Einheit zum 15. Mal jährte, sondern weil vor dem neuen Einkaufscenter „Eastgate“ in Marzahn die Parkplätze knapp wurden: 170000 Menschen kamen am Sonnabend, weitere 80000 am verkaufsoffenen Sonntag. CenterManager Teuber war „völlig überwältigt“, dass die Besucher „nicht bloß mal vorbeigeschaut, sondern gleich richtig gut eingekauft haben“.

Auch in anderen Stadtteilen wurde der verkaufsoffene Sonntag ausgiebig genutzt: Klaus Fischer vom Handelsverband Berlin-Brandenburg spricht von einem „super Wochenende für den Einzelhandel“. Geschäftsfördernd sei vor allem das triste Wetter gewesen, denn erstens konnten die Berliner „so nicht viel anderes machen als einkaufen“, und zweitens sei ihnen nun bewusst geworden, dass die kalte Jahreszeit naht: „Es gab einen richtigen Ansturm auf die Herbst- und Winterkollektionen.“ Laut Fischer haben sich 80 Prozent aller Läden in den großen Geschäftsstraßen am verkaufsoffenen Sonntag beteiligt. Und weil wegen des verlängerten Wochenendes „überdurchschnittlich viele Touristen unterwegs“ waren, habe sich das Geschäft gleich doppelt gelohnt.

Am gestrigen Montag blieben die Geschäfte zwar geschlossen, Gelegenheiten zum Geldausgeben gab es trotzdem genug: zum Beispiel auf der Straße des 17. Juni, wo Tausende den Tag der Einheit zwischen Würstchen- und Getränkebuden feierten. Zu Gedränge kam es auch wieder auf der Museumsinsel. Da endete um Mitternacht die Goya-Ausstellung in der Alten Nationalgalerie – und mit ihr die lange Schlange vor dem Museum. Bis zu fünf Stunden Wartezeit mussten die Besucher gestern in Kauf nehmen. Seit Eröffnung kamen rund 230 000 Kunstfreunde.

Die Schlange vor der gerade eröffneten Picasso-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie fiel ergleichsweise winzig aus: „50 Meter höchstens“, schätzt Mitarbeiter Stephan Großgerge. Das werde sich aber kommende Woche ändern, wenn „die Goya-Besucher als Nächstes Picasso sehen wollen.“ Oder die neue Expressionismus-Ausstellung „Brücke“ in der Berlinischen Galerie: Rund 8500 Menschen kamen hier zum Eröffnungswochenende.

Rappelvoll waren gestern die Busse und U-Bahnen im Zentrum der Stadt. Die BVG fuhr nach Sonntagsfahrplan. Bei der U-Bahn kamen die Züge deshalb nur alle zehn Minuten und dann auch noch zum Teil mit weniger Wagen als werktags. Nach Ansicht der BVG war das Angebot ausreichend. Vom Angebot anderer Städte können Berlin-Besucher nur träumen. In Lissabon zum Beispiel fahren die U-Bahnen auch sonntags alle drei oder fünf Minuten. Groß war der Andrang auch im 100er Bus, der den Alexanderplatz mit dem Bahnhof Zoo verbindet. Hier gab es teilweise Verspätungen von bis zu 30 Minuten. Problemloser ging es bei der S-Bahn zu. Sie lässt ihre Züge auch sonntags bis auf wenige Ausnahmen so fahren wie werktags. kt/sle

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