Kunstdiebstahl : Gestohlener Caravaggio kehrte heim - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren sicherten Fahnder das gestohlene Caravaggio-Gemälde "Judaskuss". Es wurde an das Museum in Odessa zurückgegeben. Was Andreas Conrad darüber schrieb.

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Mängelexemplar. Justizsenatorin Gisela von der Aue (Mitte) übergibt den „Judaskuss“ an den ukrainischen Innenminister Anatoli Mogiljow (links daneben). Foto: Eventpress Herrmann
Mängelexemplar. Justizsenatorin Gisela von der Aue (Mitte) übergibt den „Judaskuss“ an den ukrainischen Innenminister Anatoli...Foto: Eventpress Herrmann

Das Gemälde war sichergestellt, doch in welchem Zustand! Die Diebe hatten es unsauber aus dem Rahmen geschnitten, dann gefaltet statt gerollt, Farbe drohte abzuplatzen oder hatte sich schon gelöst. Und doch wurde der Zugriff, der Ende Juni auf einem Berliner Parkplatz gelungen war, als großer Erfolg gefeiert: Der „Judaskuss“, teilweise Caravaggio zugeschrieben, wahrscheinlich aber eine Kopie aus dem frühen 17. Jahrhundert, 2008 aus dem Museum of Western and Eastern Art im Odessa gestohlen, war wieder da.

Das Gemälde sei nicht transportfähig, befand man in der Gemäldegalerie – ein Problem, das von deren Restauratoren gelöst wurde. Kleine Magnete fixieren nun das Kunstwerk provisorisch an eine Platte, lockere Stellen wurden mit Spezialpflastern gesichert. Am Montagnachmittag konnte das Werk in der Gemäldegalerie durch Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) an den ukrainischen Innenminister Anatoli Mogiljow zurückgegeben werden, in Anwesenheit von Museumschef Bernd W. Lindemann sowie Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaft. Restauriert wird es in der Ukraine.

Wie berichtet, waren ukrainische und deutsche Behörden der internationalen Bande, die hinter dem Diebstahl steckte, auf die Spur gekommen und hatten auch von dem in Berlin geplanten Verkauf des Werkes erfahren. Bei der Übergabe griff die Polizei zu, drei Ukrainer und ein Russe, so hieß es damals, seien festgenommen worden, weitere 20 Mitglieder der Bande in der Ukraine. Über die Person des – realen oder vorgetäuschten – Kaufinteressenten gab es auch gestern keine Informationen, von seiten der Staatsanwaltschaft hieß er nur, gegen einen der vier Festgenommenen, einen Staatenlosen, werde in Kürze in Berlin Anklage erhoben, die anderen drei liefere man aus.

Der Wert des „Judaskusses“, auch als „Die Gefangennahme Christi“ bekannt, wurde anfangs auf 100 Millionen Euro geschätzt, was Roberto Cortini, Kurator an der Gemäldegalerie, für zu hoch gegriffen ansieht, handele es sich doch nicht um das um 1602 geschaffene Original, sondern um eine einige Jahre danach entstandene Kopie aus fremder Hand. Die Vorlage ist in Dublin ausgestellt, sie ist möglicherweise selbst eine Kopie, allerdings von Caravaggio selbst, der angesichts seiner Popularität manche Motive in Mehrfachfassungen ablieferte. Das Original des Originals lagert in Rom.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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