Berlin : Kunsthochschule Weißensee: Feder, Leder und Hautenges

S.N.

Ein Kleid kann aussehen wie ein Fallschirm: Das Oberteil mit Gurten besetzt, der Rock bauschig. Oder wie ein riesiger Kürbis, so stramm, dass die Trägerin nur die Beine in die Luft strecken könnte, wenn sie hinfiele. Es kann auch einen breiten Saum haben, der wie ein Luftballon um die Knie schwebt, oder einen Kragen, der sich aufklappen lässt wie Flügel. "Leichter als Luft" hieß das Thema; die Studentinnen des 3. Studienjahrs machten was draus.

Überhaupt hatte das 3. Studienjahr die besten Themen. Geradezu theatralisch wurde die Jahrespräsentation der Modeklassen der Kunsthochschule Weißensee bei "Die 7 Todsünden" in der Kulturbrauerei. Da war einiges an Lack, Leder und Bondage zu sehen, viel Schwarz und Hautenges, Pfauenfeder, Bockshörner, ein Soldatenweib wie Mutter Courage. Unter einem Mantel kam ein buntes Kleid zum Vorschein, dessen Kragen sich auffächern ließ wie ein Pfauenrad.

Von den fünf Berliner Modeschulen treten im Übrigen drei regelmäßig mit ihren Ergebnissen an die Öffentlichkeit: Die Modeklasse von Vivienne Westwood an der Hochschule der Künste zieht wegen des großen Namens die größte Aufmerksamkeit auf sich. Esmod als internationale Modeschule arbeitet mit einer prominent besetzten Jury (in diesem Jahr war deren Präsident Olivier Theyskens, der in Paris als eines der begabtesten Nachwuchstalente gilt).

Die Weißenseer Hochschule setzt auf professionelles Auftreten. Musik und Lichtdesign (seltsamerweise im Programm nicht erwähnt), Models - die Schau war tadellos inszeniert. Wenn dabei auch ein bisschen von der quirligen Stimmung zum Schulschluss verloren ging.

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