Berlin : Kunstmäzen baut Galeriehaus mit Aussicht auf die Museumsinsel

Der britische Architekt David Chipperfield baut für den Sammler Heiner Bastian

Bernd Matthies

Architekturwettbewerbe gibt es in Berlin derzeit kaum noch – alle öffentlich interessanten Projekte der Nachwendezeit sind bereits vollendet oder mindestens in der Bau- oder Planungsphase. Einer der wichtigsten Wettbewerbe wurde vor knapp einem Jahr entschieden: Das Büro des britischen Architekten David Chipperfield baut für den Berliner Kunstsammler Heiner Bastian in der historischen Mitte Berlins ein Haus. Auf einer Grundfläche von nur 553 Quadratmetern entstehen Räume für kommerzielle Galerien, unter dem Dach ist außerdem ein Apartment vorgesehen. In einer neuen Computersimulation zeigt das Büro Chipperfield jetzt eine aktualisierte Ansicht des Gebäudes und dessen Einfügung in das Stadtbild. Baubeginn wird nach aktuellem Stand voraussichtlich Frühjahr 2005 sein, die Fertigstellung ist für 2006 vorgesehen.

Auch wenn Bastian selbst wohl ein Geschoss nutzen will, handelt es sich nicht um ein Museum, wie gelegentlich kolportiert wurde, und auch die angrenzenden Gebäude, die von der Humboldt-Universität genutzt werden, haben mit dem Projekt nichts zu tun – es geht ausschließlich um ein Eckgrundstück mit einer Ausdehnung von 20 mal 30 Metern. Die Adresse „Hinter dem Gießhaus 1“ – an der Ecke Kupfergraben – ist kaum bekannt, doch es handelt sich um eines der letzten freien Areale in Berlins historischer Mitte, direkt neben der Pei-Erweiterung des Zeughauses, gegenüber vom Alten und Neuen Museum. Es gehört zu einem Gebäudekomplex, in dem früher das Finanzministerium untergebracht war.

Heiner Bastian, der zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn als Bauherr fungiert, lud jene vier Architekturbüros zum Wettbewerb ein, die nach seiner Ansicht im neuen Berlin mehr als Mittelmaß gebaut haben: David Chipperfield, Frank Gehry, Peter Zumthor und Hans Kollhoff, außerdem Ron Radziner aus Los Angeles, der als Nachwuchsarchitekt eine Chance bekommen sollte. Eine Jury gab es nicht: Bastian ließ sich bei der Auswahl von der Familie beraten, außerdem von Freunden wie Wolf Jobst Siedler, Hans Stimmann, Christoph Stölzl, Cy Twombly und Anselm Kiefer. Chipperfield, dessen modernes Sandsteingebäude Bastian als „antimodisch“ lobte, galt von Anfang an als Favorit. Die Ausstellung der Entwürfe im Zeughaus zog 17 000 Besucher an.

Für Chipperfield ist das Gebäude ein Teil der „Stadtfront“: Dort, so heißt es in seiner Baubeschreibung, geht die normale Stadt in die Museumsinsel und das Schloss-Grundstück über. Ziel des Entwurfs sei es, diese „besondere Normalität“ zu spiegeln. Die großen Fensteröffnungen, die von der Seite viel Tageslicht einlassen, spiegelten die städtebaulichen Dimensionen des Gebäudes und die Ordnung des Blocks. Die Fassade am Kupfergraben nimmt den erhaltenen Teil des Nachbargebäudes auf, indem sie von dort einen Eckpilaster integriert. Im Büro Chipperfield, wo derzeit die Detailplanung läuft, ist man sehr erfreut über die Zusammenarbeit mit der Familie Bastian. „Das ist wahres Mäzenatentum“, sagt Projektleiter Alexander Schwarz, der beispielsweise auf die ungewöhnliche, unter rein kommerziellen Gesichtspunkten kaum realisierbare Raumhöhe von sechs Metern verweist. Chipperfield hat auch die Restaurierung des Neuen Museums gegenüber übernommen. Sie soll 2008 abgeschlossen sein.

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