Kunstraub : Diebstahl – keine Kunst?

Der Einbruch in Paris wirft die Frage auf, wie gut die Berliner Museen gesichert sind. Ausgerechnet die wertvollsten Objekte sind selten versichert.

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Verschollen. Nur das Münchner Double des „Armen Poeten“ ist noch da.
Verschollen. Nur das Münchner Double des „Armen Poeten“ ist noch da.Foto: p-a/akg

Der „Arme Poet“ ist auch posthum arm dran: Es war am 3. September 1989, als sich im Schloss Charlottenburg ein Besucher plötzlich aus seinem Rollstuhl erhob, gemeinsam mit seinem Begleiter das angedübelte Gemälde und ein weiteres von Carl Spitzweg von der Wand riss und davonrannte. Nicht nur diese, sondern auch andere Bilder aus Berliner Beständen sind bis heute verschwunden. Angesichts des unglaublich scheinenden Kunstraubes im Pariser Museum für moderne Kunst drängt sich die Frage auf, wie gut die Kulturschätze in Berlin eigentlich geschützt sind.

Im Dahlemer Brücke-Museum waren nach dem Einbruch vor acht Jahren für 120 000 Euro Fenster und Türen gesichert sowie eine neue Alarmanlage installiert worden. Auch die private Fasanengalerie musste investieren, nachdem in der Silvesternacht 2008/2009 Unbekannte 25 Bilder und acht Skulpturen stahlen. „Sonst hätte mir die Versicherung gekündigt“, sagt Inhaberin Ulrike Erben. Trotz intensiver Ermittlungen des Kunstraub- Kommissariats beim Landeskriminalamt sei bisher keines der Objekte wieder aufgetaucht. Die aus der Fasanenstraße und aus dem Pariser Museum verschwundenen Werke stammen teilweise von denselben Künstlern: Picasso, Matisse, Braque.

Stefan Horsthemke, Deutschland-Chef des weltgrößten Kunstversicherers Axa Art, hält die deutschen Museen und insbesondere die stiftungsgeführten allgemein für gut gesichert. Für die Versicherung privater Sammlungen werde zunächst der Wert ermittelt – bei lebenden Künstlern anhand von Galeriepreisen, bei anderen Werken über Auktionsergebnisse und eigene Recherchen. Werte über 25 000 Euro würden in der Police beziffert, damit es später keinen Streit gibt. Kunst für eine Million Euro koste pro Jahr 2000 bis 2800 Euro Prämie. Der Preis hänge auch von Art und Sicherung des Gebäudes ab. Die teuerste je versicherte Ausstellung sei mit 2,8 Milliarden Euro die Van-Gogh-Schau in Basel 2009 gewesen.

Der Wert der MoMA-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie lag zwar auch bei knapp zwei Milliarden Euro, aber diese Schau war über eine Garantie des Bundes abgesichert. Wäre 2004 also plötzlich der Landwehrkanal über die Ufer getreten, hätten die Steuerzahler bluten müssen.

Ausgerechnet die wertvollsten Objekte sind selten versichert. „Unsere Sammlungen haben einen solchen Wert, dass die Prämien unbezahlbar wären“, sagt Hans-Jürgen Harras, der bei den Staatlichen Museen das Sicherheitsreferat leitet. Stattdessen investiere man laufend in die Risikominimierung – etwa, indem Fenster verstärkt und das Personal geschult würden. Alles in allem sei man gut gegen Diebstähle und Feuer gewappnet, sagt Harras. Brände sind besonders gefürchtet, weil sie oft viele Werke auf einmal ruinieren. In den Staatlichen Museen gibt es laut Harras entweder reine Brandmelder oder zweistufige Sprinkleranlagen: Erst bei Rauchentwicklung füllen sie sich mit Wasser. Nur wenn dann noch Hitze dazukommt, wird tatsächlich gesprüht. Zum Budget sagt Harras nur: „Es reicht, um alles Nötige zu tun.“

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