Berlin : Kur für Ross und Reiter

Helmut Caspar

Die zweijährige Restaurierung des Reiterstandbildes Friedrichs des Großen Unter den Linden hat rund zwei Millionen Mark gekostet, hinzu kamen 900 000 Mark für das edel gestaltete Umfeld samt Laternen, gusseisernem Schutzgitter, Schmuckpflaster und der schwingungsfreien Gründung des Granitsockels. Beteiligt waren an den Restaurierungskosten je zur Hälfte das Land Berlin und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), alles andere trug die Bauverwaltung. Die DSD will auch künftig die Pflege- und Wartungskosten für das Fridericus-Denkmal übernehmen und stockt außerdem die Aufwendungen für gefährdete Denkmale in Berlin auf, wie Geschäftsführer Robert Knüppel bei der Vorstellung eines neuen Buches übers Denkmal Friedrich II. erklärte.

Bedingung für den Millionenzuschuss war, dass das 1851 vollendete Hauptwerk von Christian Daniel Rauch wieder auf den alten Standort, dem Säulenportal des Kaiser-Wilhelm-Palais gegenüber, gestellt wird. Denn als der Bronzereiter 1980 zu allgemeiner Verwunderung aus dem Exil im Park von Sanssouci nach Ost-Berlin zurückgeholt wurde, hat man ihn 16 Meter näher zum Brandenburger Tor in einer Art Kreisverkehr aufgestellt.

Da 1980 die Aufstellung des Reiterdenkmals sehr schnell gehen musste, hat man auf die fachgerechte Restaurierung verzichtet. Lediglich wurde es "mittels Hydrant" abgespritzt und bekam im Inneren ein Stützkorsett. Der auch in dem Buch "Ein Denkmal für den König" dokumentierte ruppige Umgang mit der empfindlichen Bronze sollte zwanzig Jahre später der Metallrestauratorin Betina Ross und ihren Mitarbeitern manch harte Nuss zu knacken geben. Landeskonservator Jörg Haspel nutzte die Buchpräsentation, den Restauratoren eine "sehr qualitätvolle, fachgerechte Arbeit" zu bescheinigen. Restaurator Dirk Sturmfels wies Anschuldigungen als "kranke Fantasien" zurück, wonach es mit der Auftragsvergabe nicht mit rechten Dingen zugegangen und die Bronze beim Abtragen der dicken Schmutzschichten beschädigt worden sei.

Die reich illustrierte Dokumentation schildert die 70-jährige Vorgeschichte des Denkmals und geht auf einige von den Nachfahren des Königs verworfene Projekte wie riesige Säulen oder antike Tempel ein. Eine faksimilierte Festschrift zur Weihe von 1851 beschreibt jene Militärs, Politiker und Künstler, die den reich gegliederten Sockel bevölkern. Der Leser erfährt zudem, dass sich Fridericus Rex schon früher einiger Rosskuren unterziehen musste, etwa als Einschusslöcher aus der Zeit der Novemberrevolution von 1918 wieder zu schließen waren.

Dokumentiert werden auch die Attacken, denen das im Zweiten Weltkrieg eingemauerte und nach dem Pfingsttreffen der FDJ 1950 freigelegte Reiterstandbild ausgesetzt war. Kommunistische Bilderstürmer hätten den verhassten Herrscher samt Generalität liebend gern eingeschmolzen. Dass es nicht dazu kam und das Monument im Park Sanssouci überlebte, ist einigen beherzten Museumsleuten und Konservatorien zu danken, denen das Buch seine Reverenz abstattet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar