Berlin : Kurden-Demo vor syrischer Botschaft

1200 Teilnehmer protestierten weitgehend friedlich gegen „Massaker“/ Verkehrsstau in Tiergarten

Tanja Buntrock

Der Wasserwerfer stand bereit. Doch einsetzen musste die Polizei ihn am Montagnachmittag während der Demonstration von rund 1200 Kurden nahe der syrischen Botschaft in der Rauchstraße (Tiergarten) nicht. Die Polizei wollte jedoch ganz sicher gehen und auf alles gefasst sein: „Die Emotionalität ist erfahrungsgemäß bei Kurden-Demonstrationen sehr groß“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Proteste der Kurden „gegen das Massaker in Syrisch-Kurdistan“ blieben weitgehend friedlich. Bis auf ein paar „Rangeleien unter den Teilnehmern“, wie es bei der Polizei hieß. Zudem sollen eine syrische Fahne sowie Fotos verbrannt worden sein.

Rund 180 Polizeibeamte waren während der Kurden-Demo im Einsatz. Gestartet war der Umzug gegen 12.30 Uhr am Pariser Platz. Die Teilnehmer kamen „aus ganz Deutschland zum Protestieren nach Berlin“, sagte der Sprecher der kurdischen Gemeinde in Berlin/Brandenburg, Siamend Hajo. Ihr Anliegen: „Wir wollen die Menschenrechtsverletzungen der syrischen Regierung öffentlich machen“, sagt der Kurden-Sprecher. Hintergrund der Demonstration sind Kämpfe zwischen Arabern und Kurden, die am Sonnabend in Nord-Syrien nach einem Fußballspiel ausgebrochen waren. Dabei sollen mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen sein. Deswegen zogen die Demonstranten mit Kurden-Flaggen auch zur US-Botschaft nahe Unter den Linden. „Wir haben dort einen Brief an den Botschafter abgegeben, in dem wir um Unterstützung bitten“, erklärte Sprecher Siamend Hajo.

„Lang lebe Kurdistan“ skandierten die Demonstranten unter anderem bei der Schlusskundgebung am Nachmittag an der Rauch-/Ecke Stülerstraße. Einige Teilnehmer waren auf die Bäume am Straßenrand geklettert und schwenkten von dort ihre Flaggen. Direkt bis vor die Botschaft durften sie mit ihrem orangefarbenen Lautsprecherwagen nicht ziehen: Die Polizei hatte den Zugang zum Botschaftsgebäude aus Sicherheitsgründen gesperrt. Gegen 15.30 Uhr hatten die Veranstalter die Veranstaltung offiziell für beendet erklärt. Ob es zu weiteren Protesten in den nächsten Tagen kommt, werde man „in einem Komitee beratschlagen“, sagte Siamend Hoja. Wegen der Absperrungen der Polizei auf der Strecke war der Verkehr vor allem rund um den Großen Stern und die Hofjägerallee erheblich beeinträchtigt. Die Autofahrer standen zeitweise im Stau.

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