Berlin : Kurth geht zu Alba

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der ehemalige Finanzsenator Peter Kurth (CDU), der mit dem Bruch der Großen Koalition zwangsweise aus der Berliner Regierungspolitik ausgeschieden ist, wechselt in die private Wirtschaft. Am 1. November wird der 41-jährige gelernte Banker zuständig für die Auslandsaktivitäten des Recycling- und Dienstleistungsunternehmens Alba AG & Co.KG. Kurth tritt in den Vorstand ein, der zu diesem Zweck erweitert wird. Geführt wird das Berliner Traditionsunternehmen von Eric und Axel Schweitzer, den Söhnen des Firmengründers Franz J. Schweitzer.

"Ich finde diesen Aufgabenbereich sehr reizvoll", sagte Kurth gestern dem Tagesspiegel. Alba hat vier Standorte in Polen und einen in Bosnien-Herzegowina. Das Unternehmen will sein Engagement in Mittel- und Osteuropa auf dem Entsorgungs- und Dienstleistungssektor weiter ausbauen. Da Kurth für die Berliner Geschäftsfelder keine Verantwortung übernimmt, sei sichergestellt, dass "kein Interessenskonflikt mit der parlamentarischen Tätigkeit" entsteht, versicherte Alba-Sprecher Axel Bahr. Firmenchef Eric Schweitzer, selbst Christdemokrat und Berater von CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel, äußerte sich begeistert über den Neuzugang. "Herr Kurth ist eine strategisch denkende Persönlichkeit mit hohem Sachverstand." Diese Einschätzung teilen diejenigen Parteifreunde, die sich Kurth als künftigen CDU-Landeschef vorstellen können.

Als neues Mitglied der CDU-Abgeordnetenhausfraktion bleibt er der Landespolitik in jedem Fall erhalten. "Für Haushalt und Finanzen stehe ich aber nicht zur Verfügung", schränkte Kurth ein. Ob er die Nachfolge Eberhard Diepgens als Landesvorsitzender der Union antreten will? Kurth äußerte sich auch gestern nicht dazu. Die neue berufliche Aufgabe kommt solche Ambitionen nicht entgegen. Von anderer Seite wurde gestern der CDU-Generalsekretär und Bürgermeister im Bezirk Mitte, Joachim Zeller, als künftiger CDU-Landeschef ins Gespräch gebracht. Dieser Vorschlag traf in Parteikreisen auf eher verhaltene Zustimmung.

Trotzdem: Die Suche nach einem Diepgen-Nachfolger hat begonnen. "Teile der Partei sägen kräftig an seinem Stuhl", hieß es parteiintern. An die Spitze der Bewegung habe sich ganz unverhohlen der gescheiterte Spitzenkandidat Frank Steffel gesetzt, der allerdings in der Sitzung des CDU-Landesvorstands am Montagabend selbst in die Schusslinie geriet. Eine Empfehlung für oder wider eine erneute Kandidatur Steffels für den Fraktionsvorsitz wurde nicht abgegeben. Bei wichtigen Parteifunktionären wachsen jetzt auch die Zweifel, ob die CDU es den Wählern wirklich vermitteln kann, wenn sie mit Diepgen als Berliner Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf zieht. Bisher hatte seine Bewerbung für den Bundestag breite Unterstützung gefunden.

In der Vorstandssitzung am Montag mussten sich nicht nur Steffel und Diepgen, sondern auch der altgediente Wahlkampfstratege Peter Radunski kritische Worte zur Wahlkampfführung gefallen lassen. Außerdem wurde heftig über die maroden Finanzen des Landesverbands diskutiert. Die drastisch verringerten Einnahmen aus der Wahlkampfkostenerstattung und den Beiträgen von Mandatsträgern "werden die Partei über einen langen Zeitraum belasten", hieß es nach der Sitzung.

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