Berlin : Kurths Freunde sagen: Er tritt an

Und sein Konkurrent Joachim Zeller auch. Das Rennen um den CDU-Landesvorsitz gilt als offen

Ulrich Zawatka-Gerlach

„Gibt’s was Neues?“, fragt Christoph Stölzl. „Also, ich weiß nichts“. Der scheidende Landesvorsitzende der Union hat am Sonntag mit Peter Kurth gesprochen. „Der überlegt noch“. Doch wenn es richtig ist, was in der Partei gemunkelt wird, will Kurth am Montag erklären, dass er auf dem CDU-Parteitag am 24. Mai für den Landesvorsitz kandidiert.

Bis dahin gibt es noch viel zu bedenken und zu bereden, aber enge Vertraute glauben zu wissen, dass Kurth antreten wird. Trotz der Niederlage bei der Wahl des CDU-Fraktionschefs, die knapp gegen ihn ausfiel. Gestern besprach sich Kurth mit einigen der zwölf Kreisvorsitzenden, die den Stammesrat der Union in Berlin bilden. Die zwölf Bezirkshäuptlinge haben klare Präferenzen und machen daraus kein Geheimnis: Wenn es nach ihnen ginge, bekäme Joachim Zeller eine Zweidrittelmehrheit.

Aber es geht nicht nach ihnen, und für wen sich die Delegierten auf dem Parteitag aussprechen werden, weiß keiner. „Die Partei neigt Kurth zu“, sagte gestern ein enger Vertrauter von Kurth. „Die Partei sucht jetzt den großen Zusammenhalt und Zeller kann integrieren“, sagte ein enger Vertrauter von Zeller. Kurz zusammengefasst: Das Rennen ist offen, falls sich beide bewerben. Vielleicht hat Zeller leichte Vorteile. Am Sonntag wurde das Gerücht gestreut, der Bezirksbürgermeister von Mitte suche nach einem Weg, seine Bewerbung um den Landesvorsitz „mit Anstand“ loszuwerden. „So ein Quatsch“, lachte Stefan Tromp, der Kreisvorsitzende im gleichen Bezirk.

Währenddessen fragte Kurth viele Menschen um Rat, weil er seine Entscheidung nicht leichtfertig treffen will. Das Handy blieb derweil ausgeschaltet; nur gestern Nachmittag mischte er sich unter die Leute – um 15 Uhr in der Max-Schmeling-Halle spielte Alba Berlin gegen Energie Braunschweig. Im „best-of-five“-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Der „best-of- two“-Endkampf um die Führung des CDU- Landesverbands findet am nächsten Sonnabend statt. Schon am Donnerstag gibt es eine Vorentscheidung: Die CDU-Wahlvorbereitungskommission, in der die Chefs der Kreisverbände und Vereinigungen sitzen, geben ihre Empfehlung für die Besetzung des gesamten Landesvorstands ab. Dann wird „gepunktet“: Jeder Bewerber muss so viele Stimmen wie möglich einsammeln, um auf die parteiamtliche Kandidatenliste zu kommen, die den Delegierten als Orientierung dient.

Doch bis dahin ist noch alles im Fluss. Beide Seiten sammeln ihre Kohorten, führen ihre Kandidaten vor. Zum Beispiel Frank Henkel, der beste Freund des zurückgetretenen CDU-Fraktionschefs Frank Steffel. Er hat Joachim Zeller für Dienstagabend in seinen Ortsverband Dorotheenstadt eingeladen und will dort auch eine Mitgliederbefragung veranstalten, die „wegen der derzeitigen medialen Turbulenzen um unseren Landesparteitag aus meiner Sicht erforderlich ist“.

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