Berlin : Kurz hinter dem Bahnhof sprang der Zug der U 5 aus den Gleisen

Jörn Hasselmann

Fahrgäste blieben unverletzt - Hoher Sachschaden, Ursache unklarJörn Hasselmann

Ein Waggon der neuesten Berliner U-Bahn-Bauart ist am Montag früh in Hönow entgleist. Etwa 150 Meter hinter der Ausfahrt aus dem Bahnhof Hönow sprang gegen 6.48 Uhr das hintere Drehgestell des letzten Waggons aus den Schienen. Keiner der Fahrgäste wurde verletzt. Etwa 30 Personen wurden vom BVG-Personal über die Gleise in den Bahnhof Hönow zurückgebracht, nachdem der Strom abgeschaltet worden war. Der Verkehr auf der Linie 5 war zunächst zwischen Hönow und Hellersdorf, ab 9.30 Uhr zwischen Hönow und Louis-Lewin-Straße unterbrochen. Am späten Nachmittag sollte die Unfallstelle geräumt und repariert sein. Als Ersatz fuhren Busse. Die Unglücksursache blieb zunächst ungeklärt. Der Sachschaden ist beträchtlich. Die Gleise und die Stromschiene an der Unfallstelle wurden stark beschädigt.

Bevor der U-Bahn-Zug entgleist war, gab es eine Zwangsbremsung kurz nach der Abfahrt in Hönow. Dadurch blieb der Zug mit dem letzten Waggon auf einer Weiche stehen. Während der Zug stand, wurde jedoch die Weiche umgestellt. Als der Zug wieder anfuhr, rollte das letzte Drehgestell auf den abzweigenden Ast der Weiche, der Zug entgleiste.

Wieso die eingebaute Sicherung das Umlegen der Weiche nicht verhinderte, ist bislang noch nicht sicher geklärt. Vermutlich hat jedoch der bei einer solchen Zwangsbremsung automatisch eingesetzte "Bremssand" den Stromkreis unterbrochen, der die Gleisfreimeldung steuert. Dadurch "dachte" das System, die Weiche sei frei für das Umstellen. Völlig unklar ist, wer oder was die Zwangsbremsung ausgelöst hat. BVG-Sprecher Klaus Wazlak sagte, dass die von einem Fahrgast gezogene Notbremse eher unwahrscheinlich sei. Ein Versagen des Personals werde derzeit ausgeschlossen, betonte Klaus Wazlak.

Der entgleiste Waggon mit der Nummer 5023 ist erst vor einem guten halben Jahr in Dienst gestellt worden. Die auf der U 5 fahrenden Züge der Bauart H sind die modernsten der BVG. Die sechsteiligen Züge haben einen durchgehenden Fahrgastraum. Der fast 100 Meter lange Vollzug fährt maximal Tempo 70. Insgesamt hat die BVG nach zwei Prototypen seit Januar vergangenen Jahres 24 Züge in Dienst gestellt.

Auch die Strecke ist modern. Zwischen Biesdorf Süd und Friedrichsfelde wird zum Beispiel der so genannte fahrerlose, das heißt automatische Betrieb erprobt. Dazu wurden zwei Züge der Bauart H umgerüstet, der Test läuft derzeit allerdings noch ohne Fahrgäste. Der entgleiste Zug gehörte nicht zu diesen Testzügen.

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