Berlin : Kurz vor seinem Tod hatte der Junge noch gespielt

Die Leiche des Siebenjährigen lag unbekleidet in einer Zehlendorfer Grünanlage

-

In einer Grünanlage am Lupsteiner Weg in Zehlendorf ist am Sonnabend die Leiche eines Jungen entdeckt worden. Ein Radfahrer fand das Kind am späten Mittag. Die Polizei geht davon aus, dass der Junge einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Ersten Erkenntnissen zufolge ist er am helllichten Tage getötet worden: Noch kurz bevor die Leiche entdeckt wurde, hatten Anwohner den Jungen auf dem nahe gelegenen Spielplatz gesehen. Einen Mord an einem Schulkind hat es in Berlin seit fünf Jahren nicht mehr gegeben.

Der Anwohner entdeckte die Leiche gegen 12.45 Uhr. Sie lag in der Grünanlage zwischen zwei Wohnhäusern in einem Gebüsch nahe eines Trampelpfads, ein schmaler Verbindungsweg zwischen zwei begrünten Grundstücken. Das Kind war nackt und mit einer Plane abgedeckt. Die Mordkommission ermittelte bis zum späten Abend im Umfeld des Fundortes. Die Identität des Jungen ist bekannt, soll aber nicht preisgegeben werden, um die Angehörigen zu schützen. Wie der Chef der Mordkommissionen, André Rauhut, sagte, war der tote Junge sieben Jahre alt. Er wohnte mit seinen Eltern und zwei älteren Brüdern wenige Minuten vom Fundort entfernt. Polizeibeamte bewachten gestern den Eingang zur Wohnung der Familie, um sie vor Neugierigen abzuschirmen. Ob der Junge einem Sexualdelikt zum Opfer fiel, konnte Chefermittler Rauhut gestern noch nicht sagen.

Mehrere Beamte der Spurensicherung arbeiteten am Fundort, der mit rot-weißem Flatterband abgesperrt war. Wie der Junge ums Leben kam, wollte die Polizei noch nicht offiziell sagen. Aus Ermittlerkreisen war aber zu erfahren, dass das Kind erstochen worden sein soll. Ein Gerichtsmediziner muss die Leiche obduzieren. Erst danach wird die Todesursache offiziell bekannt gegeben. Am späten Nachmittag wurden Suchhunde – auch von der Brandenburger Polizei – angefordert, um weitere Hinweise zu finden. Dabei handelt es sich um spezielle Fährten- sowie Blutspürhunde.

In der Nähe des Fundortes betreute kurz nach dem Fund ein Notfallseelsorger einen Mann in einem roten T-Shirt in einem Polizeigruppenwagen. Der Mann ist möglicherweise der Vater des Jungen. Er soll als Feuerwehrmann arbeiten. Wie Anwohner berichten, soll er am Tatort heftig geweint haben. Durch die vorgezogenen Gardinen des Polizeifahrzeugs wurde er von den umstehenden Schaulustigen geschützt. Viele Anwohner, die entsetzt von der Tat waren, kamen aus ihren Wohnungen, um miteinander zu reden. Die meisten konnten nicht glauben, dass in der ruhigen Ein- und Mehrfamilienhausgegend ein solches Verbrechen stattgefunden hat.

Während des Nachmittags versammelten sich weitere geschockte Nachbarn in der Straße. Viele erzählten, dass ihre Gedanken ganz bei der Familie des toten Jungen seien. Aber auch die Angst um ihre eigenen Kinder mache ihnen zu schaffen. „Nach dem, was ich jetzt weiß, traue ich mich gar nicht mehr, meinen Enkelsohn draußen spielen zu lassen“, sagte eine ältere Frau. Eine 64-jährige Frau, die ehrenamtlich Kinder in der Nachbarschaft betreut, erklärte, den getöteten Jungen persönlich zu kennen. „Eigentlich sollen die Kinder selbstständig auf dem Spielplatz spielen“, sagte sie. „Aber nach diesem Verbrechen ist das unmöglich geworden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben