• Kurz vorgestellt - Schulsenator Klaus Böger hat den Fraktions- gegen den Senatsposten getauscht

Berlin : Kurz vorgestellt - Schulsenator Klaus Böger hat den Fraktions- gegen den Senatsposten getauscht

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Vor einem Jahr hatte Klaus Böger einen schönen Traum. Er wollte Regierender Bürgermeister werden. Doch die SPD gönnte ihm die Spitzenkandidatur nicht. Das hat ihn tief verletzt. Nach der Wahl am 10. Oktober konnte Böger von Glück sagen, dass er für die Niederlage nicht der Sündenbock sein konnte. Und so erfüllt sich heute ein anderer Böger-Traum. Heute wird er Bürgermeister und Senator für Schule, Jugend, Sport und Familie. Schon im Wahlkampf hat er darauf hingearbeitet, für das gestaltende Senatsamt die Macht als Fraktionschef aufzugeben. Er weiß, dass er 54 ist und sich den Traum, Eberhard Diepgen zu beerben, nicht mehr leisten kann.

Auch Böger hat seinen Anteil am Hauskrach der SPD um die Ausbootung der Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing, die er 1996 holte und deren Spar- und Modernisierungskurs er rigoros unterstützte. Wäre er Fraktionschef geblieben oder hätte er seiner Fraktion Parteichef Peter Strieder ans Herz gelegt, hätte wohl niemand ausgerechnet die tüchtigste SPD-Frau geopfert. Doch Böger dachte diesmal an sich, basta. Anders als Strieder kam Böger aber bei den innerparteilichen Turbulenzen glimpflich davon. Das hat vor allem einen Grund. Als führender Mann des rechten Flügels hat er zusammen mit der Kuschellinken noch immer die richtige Parteitagsmehrheit organisiert. Abgesehen davon zweifelt keiner daran, dass Diplom-Politologe Böger, der früher Lehrer beim Lette-Verein war, ein guter Nachfolger von Senatorin Ingrid Stahmer wird. Er war ja auch fünf Jahre ein guter Fraktionschef. Er galt als Antreiber bei Vorhaben wie der (gescheiterten) Fusion von Berlin und Brandenburg, beim Finanzkurs, der Verwaltungs- und Bezirksreform, der Verkleinerung von Senat und Parlament.

Die CDU war stets spendabel mit Lob für Böger, den redlichen, ehrlichen. Er ist wahrhaftig nicht uneitel. Dazu passt seine Empfänglichkeit für Komplimente, seine Verletzbarkeit und nervöse Unsicherheit, wenn etwas schief geht. Auch Strategie und Taktik gehören nicht zu seinen Stärken. Für die Schulpolitik aber ist er recht gut gerüstet. Die Fraktion spielte zwar in den vergangenen vier Jahren auf diesem Gebiet eine Bremserrolle, aber Böger kriegte mit seiner schulpolitischen Kommission gerade noch die Wahlkampfkurve. Und in den Koalitionsverhandlungen hat er manche CDU-Wünsche abgewehrt - bis zur Wiedervorlage, Papier ist geduldig. Eines gefällt ihm besonders: die Repräsentationsaufgabe als Bürgermeister.

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