Berlin : Kurz vorm Beckenbruch

Die Schwimmhalle in der Lichterfelder Finckensteinallee ist geschlossen: Für die Sanierung fehlt das Geld

Matthias Oloew

Schlechte Zeiten für die Schwimmhalle in der Lichterfelder Finckensteinallee: Das Bad ist marode. Ein Gutachten im Auftrag der Bäderbetriebe garantierte die Sicherheit des Gebäudes nur bis Ende Juni und schätzt die Sanierungskosten auf sechs bis acht Millionen Euro. Jetzt ist die Halle geschlossen. Wie hoch der Sanierungsbedarf tatsächlich ist, soll nun ein zweites Gutachten feststellen. „Vom Ergebnis der Untersuchung ist abhängig, ob wir die Halle wie geplant Ende August wieder öffnen können“, sagt Bäderchef Klaus Lipinsky.

Das erste Gutachten geht davon aus, dass die Fundamente und die Betonstützen der Halle morsch sind und ersetzt werden müssen. Das Besondere an der Halle Finckensteinallee ist, dass die Wanne des riesigen Schwimmbeckens von 50 mal 25 Metern Größe auf Dutzenden von Betonpfeilern steht. „Es hat sich herausgestellt, dass der Beton der Pfeiler nicht die für diese Last notwendige Dichte aufweist“, erklärt Lipinsky. Außerdem seien Eisenteile korrodiert.

Die Schwimmhalle Finckensteinallee ist ein reines Schul- und Vereinsbad. Bliebe sie dauerhaft geschlossen, müssten die Schulen auf Bäder außerhalb des Bezirks ausweichen. „Das nächste Bad wäre dann in der Götzstraße in Tempelhof“, sagt Bäderchef Lipinsky.

Notdürftig haben die Bäderbetriebe bröckelige Pfeiler mit Holzbalken und Metallträgern gestützt. „Die Gefahr besteht, dass ein ermüdeter Pfeiler einknickt und die Last dann von den anderen Pfeilern getragen werden muss“, erklärt Lipinsky. Die könnten das aber nicht schaffen.

Das zweite Gutachten soll Ende Juli vorliegen. Die Bäderbetriebe rechnen allerdings schon jetzt damit, dass die Halle nicht ohne Sanierung wieder in Betrieb genommen werden kann. „Und dann ist die Frage: Wer zahlt’s?“, sagt Lipinsky. Die Bäderbetriebe haben nach eigenen Angaben für eine derartig aufwändige Sanierung kein Geld.

Die Schwimmhalle Finckensteinallee, ab 1936 gebaut und zwei Jahre später eröffnet, ist bis heute ein Bad der Superlative – was die Ausmaße angeht. Es ist zwischen 2,50 und über 5 Meter tief. Etwa fünf Millionen Liter Wasser passen hinein, viel mehr als in andere Schwimmbecken. Deshalb sind auch die Betriebskosten enorm hoch. Das Wasser muss umgewälzt, von Zeit zu Zeit ausgetauscht und schließlich beheizt werden.

Die Grünen im Abgeordentenhaus erneuerten nun ihre Forderung nach einem Investitionsprogramm für die Berliner Bäder. 50 Millionen Euro wären dafür einmalig notwendig. So könnte der bauliche Verfall der Bäder gestoppt, zugleich in moderne Technologien investiert und somit der Betrieb billiger werden. „Die Bäder wären dann mit den laufenden Zuschüssen gut überlebensfähig und könnten auch die laufende bauliche Unterhaltung wieder eigenständig finanzieren“, sagt der Grünen-Haushaltsexperte Oliver Schruoffeneger.

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