Berlin : Kurzmeldungen

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THEKENTANZ

Bandito Rosso, Lottumstraße 10a, Mitte geöffnet montags bis freitags ab 20 Uhr www.banditorosso.de

Das Bandito Rosso ist Extremsport, gerade im Sommer. Zunächst muss man im Slalom an gefährlichen Hunden vorbei, dann der Spurt über eine steile Treppe, die Bestien hinter sich. Oben müssten eigentlich Sauerstoffmasken von der Decke fallen, aber stattdessen gibt es ein leckeres lauwarmes Bier. Hm! Alle Fenster sind geschlossen, aufmachen ist streng verboten, wegen der Nachbarn, die sonst Ärger machen könnten. Deshalb fühlt sich unsere Haut ganz schnell sehr schleimig an, feucht natürlich, und es entsteht eine Art Klebefilm, der riecht, als hätten wir ein ausgiebiges Kleopatra-Verwöhn-Bad in Schultheiss genommen oder einen Saunagang mit Cuba-Libre-Aufguss hinter uns, und das trotz 24-Stunden-Steffi-Graf-Deodorant.

Das Beste ist, dass alle anderen auch so kleben, und wenn man nicht aufpasst, hängt man schnell aneinander fest. Es ist sehr voll im Bandito Rosso, und die meisten liegen einfach nur da, in siffigen Sesseln, und atmen die verbrauchte Luft ein und aus. Gut, man kann dieser Tage auch ganz gut draußen im Park sein, aber das machen ja alle. Wer den ganzen Tag im klimatisierten Büro rumhängt, der sehnt sich abends nach einer ordentlichen Portion schlechter Luft. Jetzt noch eine Zigarette, und auf ins fensterlose Séparée des roten Banditen, das etwa so groß ist wie ein gewöhnlicher Küchentisch.

Da gibt es nämlich einen Kicker, der auch schwitzt. Die Griffe sind so feucht, dass wir uns nach jedem Tor die Finger an der klammen Hose abwischen müssen. „Mir ist so komisch“, sagt mein Teamkollege, nachdem uns zwei 16-jährige Kiffer knapp besiegt haben. Wir schleppen uns zur Bar, vorbei an einem schwer atmenden Schäferhund mit rot geschwollenen Augen. Eine Konversation findet mangels Durchblutung des Sprachzentrums nicht statt. Die Zeit vergeht, wir trinken große Schlucke und irgendwann verständigen wir uns via Kopfnicken auf sofortiges Verlassen des Bandito Rosso. Ein bisschen Angst, dass der Sauerstoffmangel bleibende Schäden hinterlassen könnte, haben wir nämlich schon. Eine sanfte Sommerbrise weht durch die Lottumstraße. Menschen, die nach Nivea-Körpermilch riechen und frisch gebügelte Blümchenkleider tragen, spazieren mit Evian-Flaschen zur Strandbar. Wir fühlen uns wie zwei ausgespuckte Kaugummis, aber gut.Esther Kogelboom

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