Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

In der Kreuzberger Fichtestraße leben achtsame und Bäume liebende Menschen. Einer von ihnen ist der Berliner Parlamentspräsident Walter Momper. Veränderungen oder ungewöhnliche Bewegungen werden in dieser Straße schnell registriert. Wenn sich morgens zum Beispiel dort acht oder neun Mann mit Kettensägen einer der vier ältesten Kreuzberger Eichen bedrohlich nähern, dann kann etwas nicht stimmen. Und als SPD-Politiker Momper am Donnerstag gegen acht Uhr sein Haus verließ, stand schon ein gutes Dutzend Nachbarn vor einer 200 Jahre alten Eiche und diskutierte lebhaft mit der Baumfällertruppe. Momper mischte sich ein und rief kurzerhand den Kreuzberger Baustadtrat Franz Schulz an. Weiß man doch, dass dessen Herz für Grün und deshalb für Baumschutz schlägt. Unverzüglich eilte Schulz in die Fichtestraße, mit dabei ein Gutachten, das dem ältesten Kreuzberger Baum den Garaus machen soll: Dessen Wandstärke beträgt an manchen Stellen nur zehn Zentimeter! Und was machen in diesem Fall gut organisierte Bürger und ein verständiger Stadtrat? Sie einigen sich auf einen Kompromiss: Heute wird der Baum erst einmal nicht gefällt, und ein zweites Gutachten soll eingeholt werden. Noch am Abend trafen sich rund 30 Anwohner im Restaurant „Gerstensack“ und sammelten 200 Euro für dieses Gutachten. Ende gut, alles gut? Selbst wenn die alte Eiche nicht mehr gerettet werden kann, schaffte sie es immerhin noch, als Auslöserin für ein schönes Lehrstück über praktizierte Demokratie zu dienen.

Benjamin Hoff ist empört. Der 26-jährige PDS-Abgeordnete kam auf dem Weg zum Sommertreffen der dänischen Sozialisten in eine Drogenkontrolle. Auf einem Parkplatz kurz vor der Grenze wurden Hoff und ein Freund von zwei Zivilpolizisten aufgefordert, alle Taschen auszuleeren. Auf die Frage, warum, gab es die knappe Antwort: „Wir nehmen an, dass Sie Drogen dabei haben.“ Der PDS-Politiker musste auch noch den Kofferraum öffnen. Er hakte noch einmal nach, bekam keine Antwort und ließ einfließen, dass er Abgeordneter in Berlin wäre. Der Polizist musterte ihn kurz von oben nach unten und meinte, dass ihm das egal sei. Als dieser dann Hoffs Parlamentsausweis sah, war er plötzlich viel freundlicher. Über Teil eins dieser Geschichte amüsieren sich seitdem Hoffs Freunde. Der PDS-Politiker lebt bekanntlich abstinent: kein Alkohol, keine Drogen. Die Gedanken über Teil zwei dieser Geschichte sind jedem selbst überlassen.

Die SPD-Fraktion erhielt kürzlich einen Brief: Absender war die Bankgesellschaft Berlin, Adressat Klaus Wowereit, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, der Inhalt ein „Devisenbrief“ mit neuesten Kursentwicklungen. Staubtrocken war der Kommentar von SPD-Sprecher Peter Stadtmüller: Man beobachte zwar mit Wohlwollen die Reformbemühungen bei der Bankgesellschaft, aber manches liege dort doch noch im Argen. Dass Klaus Wowereit inzwischen Regierender Bürgermeister ist, müsste gerade bei der Bankgesellschaft bekannt sein. Die Große Koalition zerbrach im vergangenen Jahr nach der CDU-Spendenaffäre und dem Bankenskandal.

Grünen-Politiker Michael Cramer radelt und radelt. Auf der Fraktions-Klausurtagung im Unteren Odertal waren die Parlamentarier mit dem Drahtesel unterwegs. Als sie über die deutsch-polnische Grenze fuhren, bemängelte Cramer den nicht fahrradfreundlichen Übergang. Er wird wohl wenig Gehör in seiner Partei finden: Ministerin Künast hat ganz andere Sorgen angesichts der Flutkatastrophe. Sabine Beikler

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