Berlin : Kurzmeldungen

NAME

THEKENTANZ

ZAZA, Kastanienallee 12, Prenzlauer Berg, Tel.: 440 311 85, geöffnet täglich ab 9 Uhr, Cocktails gibt’s ab 17 Uhr 30

Die Kombination „Cocktails und Sushis“ galt bislang als gelungenes Beispiel für die Verschmelzung von elegant drinking mit elegant häppchen. In Berlin, wo sonst, ist nun aber auch eine bislang undenkbare Variante wahr geworden: Cocktails n’ Sushis go wild. Natürlich dort, wo der Hang zum Verschrillen aller Genüsse nicht zu bremsen ist: In Prenzlauer Berg. Willkommen im ZAZA.

Die vier markanten, blauen Neonbuchstaben prangen über einer großen Markise, unter der es zunächst ganz normal aussieht: Biergartentische und -stühle auf dem Bürgersteig, Windlichter, junges Publikum. In der Schänke selbst wird dann deutlich, was hier anders ist: Aus den Boxen dröhnen unablässig Harte-Kerle-Rock und Rockabilly. Hier regiert ein Teddy-Keeper mit hochgegelter Tolle, die wie ein Felsvorsprung die Stirn überragt. Der Mann sieht nicht aus, als würde er sich den Wunsch nach anderer Musik auch nur anhören. Die maulig-coole Miene verrät den beinharten Rockisten. Der im ZAZA seine Gang um sich schart.

Da sitzen ein wuchtiger Glatzkopf in Jeanslatzhose, ein paar tätowierte Jungs mit langen Koteletten, zwei platinblonde Girlies und eine schrill kichernde Frau mit Kommunisten-Basecap (gelber Stern auf rotem Grund). Die Clique hat die Tische zusammengerückt, an der Kopfseite, in Tresennähe, thront unser Keeper. Es wird „Knacken“ gespielt, eine Art Prenzlberg-Poker. Alle paar Minuten plingt eine Münze ins Glas. Dann und wann steht der Teddy-Boy auf und mixt einen Drink. Wahrscheinlich geht das Jahre so weiter, als Rockoper mit Endlosschleife.

Die Kulisse passt. Abgelaufener Holzboden, amerikanisch anmutende, ewig lange Sitzbank mit kopfhohem Polsterrücken, quadratische Holztische, Tresen mit grob-grün lackierter Auflage und Footrail, orange gewischte Wände. Aber wo ist hier der Nippon-appeal? Weit hinten, nahe den mit schmiedeeisernen Raumteilern bewehrten Eingängen zu den sanitären Anlagen, werkelt ein junger Asiate an seiner Sushi-Theke. Der Mann mit dem halbhohen Kimono wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper. Die „knackende“ Rockistenclique scheint ihn kaum zu beachten. Sushis isst da keiner.

Dabei sind die Japan-Häppchen auch in diesem Ambiente richtig lecker. California-Maki, Ebi, Maguro... hmm. Getrunken haben drinking man und compañera übrigens auch. Als da wären: Ein Wao Wao (weißer Rum, Wodka, Maracuja-Sirup, Zitronen, Cranberry-Saft) – mächtig/gut. Ein Southern Passion (Bourbon, Amaretto, Southern Comfort, Gin, Triple sec, Orangensaft, Zitronensaft) – noch mächtiger, noch besser. Ein Gin Tai – eher ohnmächtig, weniger gut. Ein Wodka Tai (siehe Gin Tai). Und ein Lou Lou (Preisselbeersirup, Sahne, Ananas) – wuchtig, süß und freundlich zum Führerschein.

Der drinking man überlegt nun, ob er nicht beim nächsten dinner at home ein paar alte Rock-Scheiben krachen lassen sollte. Vielleicht kommt sogar Pogo zum Nachtisch in Mode. Und ein neuer Trend erobert Berlin: elegant saufen. Frank Jansen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben