Berlin : Kurzmeldungen

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Wählen bis 21 Uhr? Muss nicht sein. Gewählt wird bekanntlich alle Jubeljahre mal. Die Wähler haben also Zeit genug, sich auf den lange bekannten Termin und die üblichen Zeiten einzustellen. Und wer meint, die Zeit partout nicht zu haben, dem bleibt die Briefwahl. Wer wirklich wählen will und sich dieses Privilegs bewusst ist, sollte auch entschlossen sein, sich dafür Zeit zu nehmen. Zehn volle Stunden müssen für einen Wahlvorgang, der vielleicht nicht mal fünf Minuten dauert, mehr als ausreichen. Wer entschlossen nicht wählen will, lässt sich auch von drei weiteren Stunden Urnen-Öffnungszeit nicht locken. Im Gegenteil: Gerade Erstwähler empfinden es als Anbiederung einer Freizeitgesellschaft, die Ausflüge und sonstige Spaß-Ereignisse in den Vordergrund stellt und die Wahl scheinbar zur Randerscheinung degradiert, für die man sich so viel Zeit wie möglich nehmen kann.

Tagsüber Kneipe und Stammtisch, abends Wahllokal – das kann die Sinne trüben und nach hinten losgehen. Abgesehen davon: Haben die ersten TV-Wahlprognosen kurz nach 18 Uhr nicht längst Kultstatus? Sind die ersten Ergebnisse nicht frühabendliche Medienereignisse erster Güte? Sind die Statements der Sieger und Verlierer in den folgenden Minuten bis 19 Uhr nicht spannender als ein Tatort-Krimi? Da gibt’s Debatten und Diskussionen, für die ab 22 Uhr kaum noch Publikum vorhanden ist; weil das Interesse derer, die morgens früh aufstehen müssen, schwindet. Sie werden nicht nur abends wahlmüde sein. Christian van Lessen

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