Berlin : Kurzmeldungen

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Es wird schon seinen Grund haben, dass die Anlieger des Breitscheidplatzes für die Deckelung des Tunnels der Budapester Straße bezahlen wollen. Sie erwarten sich davon eine Aufwertung des Platzes; und damit ihrer Immobilien, seien sie nun schon vorhanden oder erst projektiert. Dies allein könnte der Berliner Bürgergesellschaft – „den Steuerzahlern“ – zwar noch herzlich egal sein: Es sind ja nicht ihre Gebäude. Doch ist es ihre Stadt – und deshalb sollte den Berlinern der Zustand des Breitscheidplatzes nicht egal sein. Er ist einer der wenigen Plätze in der Stadt, auf dem tatsächlich das „urbane Leben“ in all seinen Facetten spielt. Hier mischen sich Einheimische, Touristen, Straßenkünstler, Spinner und Gammler in einer Vielfalt und Ungezwungenheit wie weder auf dem Potsdamer, noch dem Pariser, noch dem Alexanderplatz. Ein wirkliches „Herz der Großstadt“ – und doch nur ein halbes. Denn, um im Bild zu bleiben, die „Kranzgefäße“ auf der Nordseite sind abgeschnürt, der Puls gestaut durch einen Graben und einen Wall aus Betontrögen und Sträuchergestrüpp.

Zur dahinterliegenden Passage mit ihren Geschäften besteht keine Beziehung, weder der Sicht noch des Weges (abgesehen von dem Nadelöhr eines Ampelüberganges). Ganz anders auf der Südseite, wo der keineswegs schmalere Ku’damm Platz und jenseitiges Trottoir nicht trennt, sondern verbindet. So könnte es auch mit der Budapester sein – wenn sie keine Schneise mehr schlüge. Sondern offen daläge, für die Augen, für die Schritte. Holger Wild

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