Berlin : Kurzmeldungen

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THEKENTANZ

Eau Rouge,

Metzer Straße 9, Prenzlauer Berg, Tel.: 440 47 401, geöffnet sonntags bis donnerstags von 19 bis 3 Uhr, freitags/samstags ab 19 Uhr, Ende offen

Manchmal muss es der Blindflug sein. Kein Tipp von compañeros, kein Blinzeln in ein Stadtmagazin, kein Internet. Einfach losfahren und sehen, wo es sich trinken lässt. Also cruisen drinking man und compañera durch die Stadt und geraten in eine überraschend ruhige Straße in Prenzlauer Berg. Weit und breit blinkt nur eine Eck-Bar. Also gut. Sie soll es sein.

Der Eingang bietet zwei Optionen: Links ist der rot lackierte Tresen zu besichtigen, rechts führen mehrere, freitreppenartige Stufen zur Lounge hinauf. Dort teilt ein seltsam rotes Kunstmöbelmonstrum den Raum, in dem vor einem breiten Spiegel allerlei schmal-eng-graue Fauteuils und schwarze Hocker platziert sind. Rot und Grau dominieren, der Eindruck einer verspäteten New-Wave-Bar drängt sich auf. Musikalisch wird allerdings der Sound der Vierziger geboten, vor allem Swing. Laut. Dem Publikum gefällt’s. Draußen vor der Tür versucht ein Girlie, den Swing per Hüpftanz einzufangen.

In der Lounge, am Rande der Treppe, nimmt eine Drei-Mann-Combo Platz. Ein Zopf-Hombre greift ins Akkordeon, der working class hero mit der Schiebermütze traktiert die Bassgitarre und der ein wenig blasse Kollege in der Mitte gibt den Akustik-Guitarrero. Das Trio schrammelt sich flott durch netten Swing und Latino-Folk-Balladen hindurch, mehrere junge Frauen tanzen wild vor den Klotüren. Prima Stimmung. Auch bei der unermüdlich hin- und herflitzenden, lustig-drallen Servierdame.

Sie bringt einen Pelote (Cachaça, Limettensaft, Limettensirup, Ananassaft), der im Vergleich zu Musik und Ambiente ein wenig nichtssagend wirkt. Um so mehr überrascht der frozen Daiquiri: Perfekte Konsistenz, geschmacklich fast schon ein bisschen zu sauer, aber im Berliner Vergleich einer der besten. Schön und wuchtig kommt der Copacabana (Cachaça, Schokosirup, Sahne, Ananassaft, Papayasaft), garniert mit supersaftigen Ananasscheiben. Klein und bescheiden präsentiert sich hingegen der frozen Strawberry Margerita. Anstelle des Bellini, den die compañera bestellt hat und dann aber mangels weißen Pfirsichmarks nicht bekommt, erscheint ein Kir Royal (nothing to write home about). Ein schöner Abend. Blind gestartet, drollig vertrunken. Was wäre wohl passiert, hätten sich drinking man und compañera nach Neukölln oder Hellersdorf verirrt? Frank Jansen

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