Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Fragen über Fragen bringt der Wahlkampf mit sich. „Haben Sie die Absicht, eine Bank zu überfallen?“, wollte ein Bürger vom SPD-Bundestagsabgeordneten und Wahlkreiskandidat Eckhardt Barthel (Schöneberg-Tempelhof) wissen. Der Mann hatte im Schaukasten vor dem Rathaus Tempelhof über die Barthelschen Ziele unter anderem gelesen, dass er sich für die „Untertunnelung der Dresdener Bank“ in Lichtenrade einsetzt. Da dachte er an die Bankräuber, die vor ein paar Jahren einen Tunnel zur Sparkasse in Nikolassee gegraben hatten. Das fiel auch Barthels CDU-Gegenkandidaten Peter Rzepka ein: „Wir lehnen diese Forderung ab, ein Bank-Tunnel reichte.“ Barthel meinte natürlich die Dresdener Bahn. Den Spott über das Eigentor kann er verschmerzen. Ein Druckfehler ist auch in diesem heiß umkämpften Wahlkreis sicher nicht entscheidend.

Wie üblich üben die Wahlplakate magische Anziehungskraft aus. Man kann auf Plakatfotos Gerhard Schröder mit einem roten Puschel auf der Nase sehen und Edmund Stoiber mit einem schwarzen Fleck auf derselben. „Zeit für Taten“, wirbt die Union auf Großtafeln. Spaßvögel haben in Kreuzberg das a durch ein u überklebt – „ Zeit für Tuten“. Und damit das auch jeder versteht, wurde auch noch eine Tröte daneben geklebt. Die Parteien haben immerfort zu tun, ihre Werbung wieder adrett auszurichten. Aber Kulturpolitiker Eckhardt Barthel dachte sich nun etwas anderes aus. Er will den Stier bei den Hörnern packen und ruft zur „kreativen Bemalung“ seines Konterfeis auf, natürlich nur seines eigenen. Die Malerin Uliane Borchert soll die „Kunstwerke“ dann bewerten. Die drei originellsten will Barthel mit Konzert- oder Theaterkarten bis zu 50 Euro prämiieren. Na bitte, es kommt nicht nur, aber auch auf den Bekanntheitsgrad an.

Quer durch die Republik reist Klaus Wowereit. Wie alle Ministerpräsidenten der SPD setzt die SPD-Wahlkampzentrale „Kampa“ auch den Regierenden als Promi ein. Das findet er ganz lehrreich und gut zum Auffrischen alter Bekanntschaften. So traf er in Freiburg (Breisgau) eine Berlinerin, die inzwischen dort lebt und an der SPD-Basis sehr rührig ist. Die Wiedersehensfreude war beiderseits. Lange her, dass Wowereit die Frau als Vorschulleiterin in Tempelhof eingestellt hatte. Damals war er dort Volksbildungsstadtrat.

Und was ist zurzeit sonst noch wichtig in der Politik? Ein junger Malergeselle hatte neulich drei Tage zu tun, die Fenster in der SPD-Fraktion neu zu streichen. Zum Abschied schenkte ihm Fraktionssprecher Peter Stadtmüller Wahlkampfschnickschnack wie Kugelschreiber und Pfefferminzbonbons. „Deswegen müssen Sie uns natürlich nicht wählen“, meinte Stadtmüller, ermahnte ihn aber zur Verschwiegenheit über solcherlei Fraktionsinterna. Der junge Mann reagierte trocken: „So doll war dit ooch nich, wat ick hier mitjekricht habe.“

Politische Vorfeldarbeit ist für die Parteien immer wichtig. CDU-Fraktionschef Frank Steffel sagte also bei Hertha BSC Guten Tag. Die Herthaner haben derzeit zwar wenig Glück, aber gerade Steffel kann das doch verstehen. Immerhin hat Hertha eine Jugendakademie für die Nachwuchsförderung, und die findet Steffel faszinierend. Auch er zog beglückt mit einem Geschenk von dannen, von Manager Dieter Hoeneß. Es ist ein echtes Hertha-Trikot mit dem n Steffel auf dem Rücken. Brigitte Grunert

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