Berlin : Kurzmeldungen

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Raucher verkürzen sich jede Wartezeit gerne mit einer Zigarette. Auch in der U-Bahn. Dass sich andere durch ihren Rauch belästigt fühlen, merken sie meistens nicht. Doch nichtrauchende Fahrgäste haben auch in anderer Hinsicht das Nachsehen. Sie bezahlen für jede Zigarette, die im Untergrund dampft. Rund 1,2 Millionen Euro zahlen die Berliner Verkehrsbetriebe jedes Jahr, um Gleise und Bahnsteige von den weggeworfenen Kippen zu reinigen. Dieses Geld kassiert die BVG nicht von den Rauchern, sondern von allen Fahrgästen der BVG – durch hohe Beförderungstarife. Bei den uneinsichtigen Nikotinsündern, die trotz des Rauchverbots auf U-Bahnhöfen nicht von der Kippe lassen können, belassen es die Ordnungskräfte stattdessen in den meisten Fällen bei der freundlichen Aufforderung, die Kippe doch bitte auszudrücken und beim nächsten Mal gleich ganz auszulassen. Schließlich hat das knappe BVG-Personal genug anderes zu tun. Zum Beispiel Schwarzfahrer ertappen. Das erhöhte Beförderungsentgelt von 30 Euro ist allemal eine lohnendere Einnahmequelle als ein rücksichtsloser Rauchsünder, dem höchstens 20 Euro Reinigungsgeld drohen. Wenn Schwarzfahren ab kommenden Januar 40 statt bisher 30 Euro kosten wird, kommt der Raucher immer noch billiger weg. Gut gemeinte Worte und milde Strafen bewirken wenig gegen die Volksseuche Nikotin, die Millionen Menschen krank macht und Milliarden an Gesundheitskosten verschlingt. Verbote wirken nur dort, wo Verstöße weh tun – im eigenen Geldbeutel. Stephan Wiehler

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