Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Wehmütig erinnern sich treue CDU-Anhänger an die gute alte Zeit mit Eberhard Diepgen – und den glänzenden Berliner Wahlsieg 1999 mit dem Slogan „Diepgen rennt“. Ja, und nun ist Ausverkauf. Es hatte sich nämlich aus aktuellem Wahlkampf-Anlass herumgesprochen, dass noch 350 Paar Diepgen-Turnschuhe (Aufschrift: „Ebi-Runner“ in allen Größen vorrätig waren. Parteisprecher Matthias Wambach meldet reißenden Absatz der Ladenhüter, „das Paar zum Spottpreis von 15 Euro“. Auch CDU-Chef Christoph Stölzl griff zu. Er hält zwar nichts vom Joggen, aber was tut man nicht alles für den Endspurt: „Ich schnalle mir die Ebi-Runner unter und laufe mit großen Schritten zum Wahlsieg der CDU.“ Ob es hilft?

Große Mühe gaben sich die Fraktionen des Abgeordnetenhauses, in der Plenarsitzung am Donnerstag auch ein wenig Wahlkampfmusik zu machen. Nur drangen sie damit nicht recht durch. Da es die PDS diesmal nicht leicht hat, musste eine Aktuelle Stunde zum Thema Hartz-Kommission her, damit Harald Wolf seine erste Vorstellung als Wirtschaftssenator haben konnte. Die Jungfernrede verhallte. Auch die FDP-Aktion, dem Parlamentspräsidenten Walter Momper (SPD) wegen angeblich parteiischer Amtsführung per Missbilligungsbeschluss des Hauses zu rügen, misslang. Hatte ja auch keinen Neuigkeitswert. Es kam schon öfter vor, dass die jeweilige Opposition dem Präsidenten am Zeuge flickte. Mompers letzte Vorgänger von der CDU können ein Lied davon singen.

Aber Harald Wolf will dicke Bretter bohren. Damit er es niemals vergisst, liegt auf seinem Schreibtisch ein Handbohrer, ein knallroter natürlich. Es ist ein Geschenk seiner engsten Mitarbeiter zu seinem Amtsantritt vor zwei Wochen. Und schon sind sie alle des Lobes voll über den Nachfolger von Gregor Gysi, der aus Anlass der Flugmeilen-Affäre zurückgetreten war. Es habe zwar Spaß gemacht, den „Popstar Gysi zu verkaufen“, aber Wolfs Arbeit sei „nachhaltiger“,heißt es mit einem Modewort. Keine Dienstbesprechung ohne konkreten Auftrag des Senators mit Fristsetzung.

Politiker haben selbstredend immer einen 16-Stunden-Tag, Empfänge und andere Repräsentationspflichten eingeschlossen. Der Regierende wollte sich letzten Sonntag einen schönen kultivierten Abend machen – bei der Premiere von Smetanas „Verkaufter Braut“ in der Komischen Oper. Und dann dieser Skandal wegen Anspielungen auf die Ossis, die zu dusselig sind, eine Bierdose zu öffnen und immerfort auf Bananen scharf sind. Bei der Premierenfeier bedauerte Klaus Wowereit launig: „Ich hatte mich extra nicht für das TV-Duell Schröder-Stoiber angemeldet. Und was erlebe ich? Wieder bloß Konflikte, Auseinandersetzungen, Buhrufe.“

Von Zeit zu Zeit erinnern sich die gestressten Politiker, dass sie etwas für ihre Gesundheit tun müssen. Schulsenator Klaus Böger raucht nicht mehr, gibt aber zu: „Es fällt mir schwer.“ Die Vertrauten im Amt trösteten ihn jetzt mit einem Früchtekorb zum 57. Geburtstag – und futterten den Korb halb leer. Bögers Gesundheitsapostelei wirkt offenbar ansteckend. Auch Nichtraucher Wowereit hält auf Linie. Er hatte sich ein Bäuchlein angefuttert. Das gefiel ihm nicht, zumal es bemerkt wurde. In den letzten fünf Wochen warf er sieben Kilo ab. Nicht durch Wahlkampfrennerei. „Kein Alkohol und F.d.V.“ Also er isst nur noch ein Viertel seines früheren Quantums. Brigitte Grunert

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