Berlin : Kurzmeldungen

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WAS DAS ALLES KOSTET

Die Sozialdemokraten lassen sich den Wahlkampf weit mehr kosten als die Bürgerlichen. Der Landesverband der SPD pumpt 200000 Euro in die zentrale Plakatierung, Veranstaltungen, Anzeigen und den Druck von Broschüren. Jeder Kreisverband erhält zudem 20000 Euro Zuschuss für lokale Aktivitäten. Bei der PDS verfügt der Landesverband über 325 000 Euro, die teilweise an die Wahlkampfteams vor Ort weitergeleitet werden. Die Berliner CDU, selbst in finanziellen Schwierigkeiten, kann da nur mit mageren 10 000 Euro gegenhalten. Die ebenfalls klammen Bezirksverbände müssen ihren Wahlkampf vor allem aus Spenden finanzieren. Die FDP kann immerhin über 50 000 Euro verfügen, die Grünen über 113 000 Euro.

Die größten Ausgabenposten sind Anzeigen, Plakate und Infobroschüren. Werbemittel wie Kondome, Kugelschreiber und Luftballons fallen weniger ins Gewicht. Georg Eickhoff, der für die CDU in Lichtenberg antritt, rechnet bei einem Gesamtbudget von 20000 Euro mit rund 1000 Euro für Einkaufswagenchips, Seifenblasendosen, Haribotütchen und Halsbonbons.

Mit ebenfalls 1000 Euro rechnet Claudia Richter, Geschäftsführerin der PDS Friedrichshain-Kreuzberg, für die Verteilung von Bonbons, Lutschern und Feuerzeugen. „Wir wollen nicht das ganze Volk bestechen.“ Der Grüne Christian Ströbele verzichtet ganz auf Wahlkampfgeschenke. „Schrottgegenstände für 5 Cent lehne ich ab“, sagt sein Wahlkampfmanager Paul Schlandt. Lisa Paus, Grünen-Kandidatin in Spandau, hat für sowas ohnehin kein Geld. Sie bestreitet ihren gesamten Wahlkampf mit 6000 Euro.

„Wir haben irgendwo noch eine Kiste mit Windrädern entdeckt. Dann gibt es noch ein paar Ballons, die wir selbst aufblasen.“ Viele Kandidaten leisten für ihren Wahlkampf einen Eigenbeitrag besonders dann, wenn sie eine realistische Chance haben, den Wahlkreis zu gewinnen. Der Spandauer SPD-Kandidat Swen Schulz muss 10000 Mark an die Parteikasse zahlen, wenn er in den Bundestag einzieht, ein Fünftel seines Wahlkampfbudgets.

Sein CDU-Gegenkandidat Kai Wegner möchte keine Summe nennen. Sein Eigenanteil sei aber „beträchtlich“. Wenn er verliert, kann er nicht mit einer Rückerstattung von der Partei rechnen.

Auch bei den Grünen seien solche Startgelder verpönt, verrät Lisa Paus. Christian Ströbele buttert trotzdem rund 15 000 Euro in seinen Wahlkampf - bei einem Gesamtbudget von knapp 40000 Euro. „Das hat mit Startgeld nichts zu tun.“ Ströbele verteilt 120000 Briefe an potentielle Wähler - ein „prononcierter Erststimmenwahlkampf“. Sowas kostet eben ein paar Mark mehr.

Thomas Loy

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