Berlin : Kurzmeldungen

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Viele Jugendliche, so hört man, würden ihr Wahlrecht gerne mit einem Mausklick ausüben. Sich ins Internet einloggen, E-Mails checken, ein bisschen herumsurfen, sich neue mp3-Dateien runterladen, die Politik des Landes für die nächsten vier Jahre mitbestimmen, mit Freunden chatten, noch ein bisschen surfen…

Vermutlich würden sich viele Jugendliche dabei auch gerne den Rücken kraulen und einen fruchtig-süßen Cocktail servieren lassen, wer würde das nicht gerne?

Aber darf man darauf beharren, dass das Wahlrecht von anderem Rang ist als die Konsumfreiheit und die Sitzverteilung im Parlament wesensmäßig unterschieden von den Verkaufscharts aktueller Hit-Singles? Es mag pathetisch klingen – aber diesseits aller konkreten Unzulänglichkeiten dieser Demokratie ist eine Wahl doch stets die Verwirklichung des Satzes „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Da ist ein wenig Würde nicht zuviel verlangt.

Es braucht sich ja niemand in seinen Sonntagsstaat zu zwängen, um seine zwei Kreuze zu machen. Aber was wäre das denn für ein Souverän, der seine Entscheidungen hingelümmelt ins Lotterbett trifft, zwischen einer Tüte Chips und der nächsten Quizshow im Fernsehen? Jedenfalls keiner, den man allzu ernst nehmen müsste.

Kurz gesagt: Wer schon zu bequem ist, sich überhaupt nur um den nächsten Block ins Wahllokal zu bemühen – der darf auch keine Politik erwarten, die mehr ist als bloß virtuell. Holger Wild

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