Berlin : Kurzmeldungen

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Janette Nebling sieht Hendrik Borgmann alias „Moritz Demand“ fast jeden Abend im Fernsehen. Seit fünf Jahren schaut sie die tägliche Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Gestern Nachmittag saß sie mit dem GZSZ-Star auf der Rückbank einer S-Klasse und fuhr ins Wahllokal. Die 18-jährige Schülerin ist eine von vier Gewinnern der „Fahr-zur-Wahl“-Aktion. Als Bonbon gab es die prominente Begleitung zum Wahllokal und eine polierte Limousine mit Chauffeur. Ausgedacht haben sich dieses Gewinnspiel die Berliner Studenten der Politikfabrik, die mit ihrer Kampagne: „Wahlgang – Förderung der Wahlbeteiligung“ Erstwähler mobilisieren wollten, ihre Stimme abzugeben. Über 500 Jungwähler haben mitgemacht. Auf Postkarten, die die Politikstudenten in Schulen und Cafés verteilt haben, konnten Berliner ihren Lieblingspromi ankreuzen oder sich auf der Homepage der „Wahlgang“ per Mausklick für die prominente Wahlbegleitung entscheiden. Am Abend vor der Bundestagswahl wurden die Gewinner der Aktion auf der großen Abschlussparty im Matrix Club ermittelt. Dem 24-jährigen Mädchenschwarm ist es wichtig, dass auch junge Menschen besser über Politik Bescheid wissen. „Es ist schon erstaunlich, dass so vielen Kids gar nicht klar ist, was heute passiert“, sagt Borgmann. Für ihre Erstwählerkampagne haben sich die Studenten den Wahlkreis Friedrichshain/Kreuzberg ausgesucht. Denn nirgendwo sonst gibt es so viele Nichtwähler wie hier, sagt Simon Haag von der Politikfabrik. Fast die Hälfte der 18- bis 25-Jährigen haben in Berlin bei der letzten Bundestagswahl 1998 nicht gewählt. Deshalb sollten sie Prominente locken, die auch in der politischen Werbung eine große Rolle spielen. „Die so genannten Meinungsführer haben auf unsere Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen einen großen Einfluss. Politik aber hat für viele einfach nichts mit ihrem Leben zu tun. Wenn coole Stars das dann anders sehen, denken die Kids darüber nach“, heißt es bei der Wählerinitiative. mys/Foto: Q

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