Berlin : Kurzmeldungen

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WAHLWEISE

Fröhlicher Tränenpalast

]Das Herz in Mitte schlägt links. Egal, ob die Besucher der Tränenpalast-Wahlparty aus Pankow oder Frankfurt am Main anreisen – mit der ersten Hochrechnung geht ein zufriedenes Raunen durch die Reihen. Schröder bleibt, die Grünen entpuppen sich als die absoluten Gewinner und die PDS „nun, ja, war ja zu erwarten“, sagt eine Neuberlinerin. Kurzzeitig kippt die Stimmung: Stoiber erscheint auf dem Bildschirm. ddp

Familiensache

Wählen ist Familiensache: Als die Eltern in der Neuköllner Theodor-Storm-Schule ihre Kreuzchen machten, guckten ihnen die etwa vier- und fünfjährigen Töchter zu. Das sei doch verboten, merkte eine Wählerin an. Der Wahlhelfer zuckte die Achseln: „Was meinen Sie, was hier los wäre, wenn ich die Kinder rausschicken würde?!“ ari

Die kleine Kneipe

100 Schritte sind es von der Straße Im Saatwinkel zum „Jägerhäuschen“. Mit nur 218 Stimmberechtigten vor allem aus der Kleinhaussiedlung „HOKA IV“ ist die Kneipe Berlins kleinstes von 2609 Wahllokalen. Im Schankraum wurde der Flipper zur Seite geschoben, am Stammtischplatz steht die Wahlkabine. du-

Die Älteste

Der Gang zum Wahllokal ist Brigitte Bonefeld nicht leicht gefallen. Es ist die linke Hüfte, die ihr zu schaffen macht. Doch als eine der ältesten Wahlhelferinnen Berlins ist es für die 78-Jährige Ehrensache, auch bei dieser Wahl dabei zu sein. An der Wahlurne im Kulturhaus „Alte Feuerwache“ an der Marchlewskistraße steht sie auf einen Stock gestützt. Bei wie vielen Wahlen sie schon dabei war, weiß sie selbst nicht mehr so genau. „Über 40 Jahre sind es aber sicher“, sagt sie. „Früher in der DDR sollte ich sogar mal als Wahlschlepper eingesetzt werden, um die Leute ins Wahllokal zu holen. Da habe ich mich aber geweigert. Entweder sie kommen zur Wahl, habe ich gesagt, oder sie lassen es.“ Heute sind sie freiwillig da. wie

An der Schlange vorbei

Geduldig stehen fünf Wahlwillige in der Schlange. An ihnen vorbei trippelt eine ältere Frau. Die Aufregung ist ihr anzusehen. Stracks steuert sie auf die Kabinen zu und stutzt erst, als sie merkt, dass diese besetzt sind. Also zurück – aber vor die Schlange. Man schmunzelt. „Wenn sie es so eilig hat, ihre Stimme abzugeben, sollten wir sie lassen“, sagt ein Mann. Versäumt hat die Wahl deshalb niemand. kt

Mittendrin

Wäre das hier, sagen wir mal: Sierra Leone oder Burundi oder so was, würden die internationalen Wahlbeobachter Protestnoten versenden und die Menschenrechtskommission einschalten. Aber das hier ist Mitte, Wahlbezirk 218, 3. Gesamtschule, Haus B, Raum 105, und alles angeblich in der Neuen Roßstraße 4 – 5. Die aber gibt es nicht, jedenfalls nicht als Eingang. Hier ist nur ein Zaun und dahinter ein Abrisshaus, davor lauern lausig tiefe Pfützen voller Bauschlamm. Jetzt bräuchte man einen Wahlleiter oder zumindest eine Wahlleiter. Wer aber Glück hat und den eingeweichten Papierpfeil entdeckt, ahnt den Weg: einmal um den Block, immer linksherum. Wer nicht – der nicht. Drinnen: Gestank, beschmierte Wände, demolierte Fenster, Tische und Stühle ganz ranzig und nass. Armes Deutschland. lom

Wer wählt denn hier?

Eine kleine Gruppe geistig Behinderter geht in Kreuzberg wählen, eine ältere, recht resolute Betreuerin begleitet sie. Sie verschwindet mit einer ihrer Schutzbefohlenen hinterm Wahlparavent – und sagt nach kurzer Zeit mit strenger Stimme: „Aber Inge, du weißt doch, was du ankreuzen wolltest. Wir haben doch darüber gesprochen.“ Was Inge angekreuzt hat, bleibt ihr Wahlgeheimnis. Sie teilt es nur mit der Betreuerin. dae

Handwerker gesucht

Direkt vorm Wahllokal am Händelplatz in Lichterfelde hängen Wahlplakate. Dabei ist das doch verboten. Ein Wähler beschwert sich beim Wahlvorsteher über die Schilder. Doch der muss passen: „Wir haben kein Werkzeug da, um die abzumontieren.“ tabu

Der Himmel weint

Wenn das mal kein schlechtes Omen ist: Die SPD hat ihre Wahlkampfparty draußen geplant – jetzt stehen die Genossen im Regen. Tropfen fallen auf Rostbratwürste, in Biergläser, und schon kurz vor der ersten Prognose lecken die Regenschirme. Besser haben es die angemeldeten SPD-Mitglieder. Sie suchen im Willy-Brandt-Haus Schutz. kf

Treffpunkt Tagesspiegel

Der Tagesspiegel lädt für den heutigen Montag, 18 Uhr, zu einer Debatte über den Ausgang der Bundestagswahl ein. Im Hotel Intercontinental diskutieren Lorenz Maroldt, stellvertretender Chefredakteur dieser Zeitung, mit Sybill Klotz (Grüne), Stefan Liebich (PDS), Martin Lindner (FDP) und Frank Steffel (CDU). Es moderiert George Turner. Anmeldung am Montag unter der Telefonnummer 27 8718 22. Tsp

Im Internet

Wer alle Ergebnisse aus Berlin noch einmal nachlesen will, kann die Internetseiten des Statistischen Landesamtes anwählen: www.statistik-berlin.de/wahlen Tsp

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