Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

KLaus Wowereit war noch nie ein Kind von Traurigkeit. Aber seit dem rot-grünen Triumph ist er überbordend guter Laune. Trotzdem vergisst der Regierende keinen Moment, die Verlierer verständnisinnig zu streicheln. Man streut doch kein Salz in die Wunden von Leuten, die man braucht, und manchmal braucht man auch die Opposition. „Ich kann mich gut in den Zustand der PDS und CDU und FDP versetzen, weil wir in der SPD das doch auch alles oft durchlitten haben“, beteuert Wowereit immerfort. Am Dienstag am Senatstisch vermied er Erörterungen über den Wahlausgang. Nur leichtes Schulterklopfen für die PDS-Kollegen Heidi Knake-Werner, Thomas Flierl und Harald Wolf. Die Berliner Koalition ist schließlich „nicht berührt“. Oder?

Nach einer Wahl gibt es immer mehr Sieger als Verlierer. Der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej (PDS) war wenigstens beim Wahltoto zu viert mit Senatskanzleichef André Schmitz, dem Wowereit-Referenten Jens Holtkamp und Senatssprecher Michael Donnermeyer der Gewinner. Alle Ergebnisse tippte er am besten. Nur bei der PDS lag er schief. Kolodziej kassierte 52 Euro – und den Trost von Donnermeyer, jedes Meinungsforschungsinstitut würde ihn nehmen, falls er einen neuen Job suche.

Gleich zwei Siegesfeiern gab es am Montag in einem Restaurant in Zehlendorf- Mitte. Klaus Uwe Benneter, der strahlende Wahlkreisgewinner von Steglitz-Zehlendorf, führte seine Frau aus und traf dort zufällig seine unterlegene Gegenkandidatin Alice Ströver mit ihrem Fraktionskollegen Jochen Esser. Beim Anblick der Rose von einer Verehrerin in Benneters Hand frotzelte Esser: „Die muss er Alice schenken, er hat ja die ganzen Grünen-Stimmen abgefasst.“ Gesagt, getan. Benneter verehrte Frau Ströver die Rose. „Das wollte ich sowieso, als ich sie sah“, sagte er.

Trost per Post bekam CDU-Fraktionschef Frank Steffel. Der Barde Frank Zander sandte ihm drei CDs mit seinen Liedern „für ein wenig Spaß im grauen Alltag“ mit schönen Grüßen „von Frank zu Frank“. Du liebe Güte, ausgerechnet der Titel „Hier kommt Kurt“ war dabei. Wo doch in der CDU an Steffels Ast gesägt wird. Schlachtruf: „Jetzt kommt Kurth.“ Gemeint ist der frühere Finanzsenator Peter Kurth. Steffel hält sich an ein anderes Zander-Lied: „Alles wird gut.“ Als Justizsenatorin Karin Schubert dieser Tage ihre neue Pressesprecherin Andrea Boehnke vorstellte, war auch die Rede von Kommunikationsproblemen mit der Presse. Da erwähnte Wolf-Dietrich Wahle, Sprecher des Oberverwaltungsgerichts, dass man von Gerichtstelefonen keine Verbindung mit Handy-Nummern erhalte. Die Senatorin tat ihm lächelnd Bescheid: „Also Herr Wahle, ich habe neulich versucht, eine 180-Nummer anzurufen, und auf meinem Apparat erschien: nicht möglich. Falls es Sie tröstet: Selbst wenn Sie ganz nach oben kommen, kommen Sie nicht durch.“ Brigitte Grunert

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