Berlin : Kurzmeldungen

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SONNTAGS UM ZEHN

Aus zwölf mach eins

Unübersehbar ist die Fahne, die vorn im Chor der Gethsemanekirche hängt. Ein Schiff zeigt sie und das griechische Wort „Oikoumene“, Gemeinschaft. Nicht nur sie erinnert die Gemeinde in der Kirche in Prenzlauer Berg, dass am Vortag gefeiert worden war – zwölf Gemeinden von den Katholiken über Freikirchen bis zur Heilsarmee hatten das erste ökumenische Straßenfest ausgerichtet, am Sonntag wurde es mit einem Gottesdienst abgeschlossen. So kommt es auch, dass Katharina Jany von der katholischen St.-Augustinus-Gemeinde vorn am Altar der evangelischen Gemeinde steht und Rosen an die Mitwirkenden verteilt. Pfarrer Ernst- Christian Zeiske spricht in seiner Predigt von dem Zwiespalt, einerseits christliches Profil zu zeigen und andererseits doch alle Nachbarn anzusprechen. Ob es überhaupt möglich sei, Menschen bei einer Bratwurst auf Gott anzusprechen, ob das Fest nicht besser mit Kurzpredigten und Choralsätzen hätte garniert werden sollen. Statt dessen gab es Videoaufnahmen von den Geschehnissen in der Kirche zur Wendezeit und ein gemeinsames Chorkonzert. Der Predigttext (Epheser 5;15-21) muss Zeiske dabei wie gerufen gekommen sein. „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und spielt dem Herrn in euren Herzen“, schrieb Paulus an die Gemeinde der leichtlebigen, ausschweifenden Stadt Ephesos. Und auch die Epistel-Lesung passte gut zum Anlass: „Es sind verschiedene Gaben, aber er ist ein Geist“, heißt es im ersten Korintherbrief (12,4). Verschiedene Gaben, das heißt auch: Verschiedene Ausrichtungen und Schwerpunkte. Allein im Westen von Prenzlauer Berg gibt es deren zwölf. Gemeinsam feiern können sie trotzdem. Jörg-Peter Rau

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